Geschäftsbericht 2005 - 2007
Inhalt
1. VORBEMERKUNG 2. VERANSTALTUNGEN 3. PROJEKTE 4. PUBLIKATIONEN 5. GREMIEN 6. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT 7. INTERNATIONALES 8. FINANZSITUATION 9. MITGLIEDERZAHLEN 10. GESCHÄFTSSTELLE 1. Die IGfH 2005 bis 2007
Was sagt uns ein Geschäftsbericht?
Geschäftsberichte versprechen Langeweile, doch gleichzeitig animieren sie zu einer (gemeinsamen) Rückschau nach einer langen Weile. Eine Rückschau, die den Blick – freilich in komprimierter Form – frei geben kann auf das gemeinsam Erreichte und damit auch auf das vielleicht Fehlende und Zukünftige.
Ob der vorliegende Geschäftsbericht der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH), dem mitgliederstärksten bundesweit und international tätigen Fachverband für erzieherische Hilfen, für die Jahre 2005 bis 2007 dies erreicht, muss der oder die interessierte LeserIn entscheiden. Der Bericht versucht – sicher in nüchternder, auflistender Form – zu beschreiben, was wir als von vielfältigen Impulsen und ehrenamtlichem Engagement getragene Netzwerkorganisation an äußerlich sichtbaren Aktivitäten und Produkten oder Initiativen geschaffen haben. Gleichzeitig ist klar, dass all die Formen von Kooperation und Engagement, von Ideen und positiven sowie negativen Emotionen, die sich um Aktivitäten und die Zusammenarbeit ranken, nicht in einem Geschäftsbericht wiedergegeben werden können.
Der vorliegende Bericht über die zurückliegenden Jahre 2005 bis 2007 zeigt aber auch, dass ein gemeinsames Engagement unter dem Dach einer Fachorganisation in schwieriger werdenden Zeiten (Stichworte u.a. Ökonomisierung und Kostendruck, Zunahme regionaler Unterschiede und Gefährdung von fachlichen Standards der Hilfen, Ausspielen von Hilfeformen gegeneinander und Missachtung von Betroffenenrechten) in der Gesamtheit der Aktivitäten durchaus Akzente setzen kann. Er dokumentiert, dass fachliche Positionen im Umgang mit Heranwachsenden und Familien, die zeitweilig Probleme haben und auf Unterstützung im Rahmen der erzieherischen Hilfen angewiesen sind, mit Unterstützung von demokratisch gewählten Gremien, lokalen Zusammenschlüssen, fachlich motivierten bundesweiten Arbeitskreisen und Gruppen sowie durch das Zusammenwirken von hauptamtlichen und „ehrenamtlich“ tätigen Einzelpersonen gestärkt und öffentlich gemacht werden können.
Wer aber ist denn die IGfH?
Laut Satzung handelt es sich um einen bundesweit und international tätigen Fachverband für erzieherische Hilfen, der vor allem „die Förderung und Reform der erzieherischen Hilfen insbesondere der Heimerziehung im Sinne der Charta des Kindes und der UN-Konvention über die Rechte des Kindes“ beabsichtigt. Um dieses Ziel zu erreichen, organisiert die IGfH Kontakte und Erfahrungsaustausch zwischen Fachkräften, aber auch zwischen Jugendlichen, fördert Projekte zur Erforschung spezieller Probleme der erzieherischen Hilfen, leistet Information und Dokumentation, berät und gibt Hilfestellungen bei praktischen Problemen, versucht mitzuwirken bei der Entwicklung einer vorbeugenden Jugendhilfe, nimmt öffentlich Stellung zu sozialpolitischen Fragen und versucht, die Bedeutung der erzieherischen Hilfen und der Mitarbeiterinnen in das öffentliche Bewusstsein zu heben, so die Satzung. Die dargestellten Aktivitäten im Geschäftsbericht orientieren sich in Form von Veranstaltungen, Fort- und Weiterbildungen, Modellprojekten, Publikationen, Stellungnahmen, internationalen Initiativen, Gremien-Engagement an diesen Leitlinien.
Die IGfH ist aber auch ein Mitgliederverband, in den sich Einzelmitglieder, Einrichtungen, überörtliche Einrichtungen und Ausbildungsstätten ständig einbringen und diesem Verband jedes Jahr aufs Neue mit ihren Themen, Fragestellungen und Aktivitäten eine Kontur verleihen, und natürlich den Verband auch finanziell stützen. Und da müssen wir natürlich die Probleme, die mit einem zwar leichten, aber stetigen Mitgliederschwund zu tun haben, genau im Auge behalten, müssen sehen, dass die IGfH ein Überalterungsproblem bekommen könnte, da starke Mitgliederwellen in den 70er und 80er Jahren das Fundament legten. Der Bericht erzählt über Versuche neue, junge Mitglieder in den Verband einzubinden. Hier sind aber Vorschläge sicher weiter willkommen.
Die IGfH ist gleichzeitig auch ein vom Bund – zumindest zum Teil – subventionierter Bundesverband, der in Bundesgremien, durch Stellungnahmen, Expertisen, Bundesmodellprojekte, Bundestagungen, weit gestreute Publikationen dem Feld Kontur verleihen soll und Entwicklungen in den Erziehungshilfen bundesweit beobachtet, versucht zu beeinflussen und zu kommentieren, der auch internationale Anschlüsse garantieren soll.
Und schließlich ist die IGfH in den Augen von vielen auch ein Dienstleister, der – so denken wir – z.B. gute und interessante Fort- und Weiterbildungen anbietet für PraktikerInnen an der viel beschworenen „Basis“ und ebenso für das Leitungspersonal, der Fachveranstaltungen für die Felder der Erziehungshilfen organisiert, der Fachberatung ermöglicht, informiert über eine eigene Zeitschrift (Forum Erziehungshilfen) und einen Online-InfoDienst (ForE Online) etc. Auch dieser Zugang ist für die inhaltliche wie fiskalische „Erdung“ und Konturierung der IGfH von Belang. Alle genannten Zugänge spiegeln sich in diesem Geschäftsbericht für die Jahre 2005 bis 2007.
Was wir erreicht haben …
Vieles von dem, was die vielen Mitwirkenden innerhalb der IGfH gemeinsam mit PartnerInnen in den letzten drei Jahren erreicht haben, steht detaillierter im Bericht und ist dort genauer nachzulesen.
Wenn wir die Ausführungen zu unseren Aktivitäten zusammenfassen, sehen wir, dass wir präsenter geworden sind. Dies spiegelt sich z.B. an der Zahl der erreichten Fachkräfte oder den verkauften Büchern, der Auflagenzahl unserer Zeitschrift (klare Steigerung der freien Abonnenten), der Vielzahl von PartnerInnen und noch stärkeren Präsenz im Tagungsbereich, aber vor allem auch im praxisnahen Fort- und Weiterbildungsbereich, wo beispielsweise mehr als 70 zugeschnittene Inhouse-Fortbildungen für Einrichtungen im Berichtszeitraum durchgeführt wurden. Nur um die Vielfalt der Aktivitäten in den letzten drei Jahren summarisch zu zeigen und deutlich zu machen, was wir gemeinsam bewegt haben, liste ich an dieser Stelle nur auf:
Wir haben von 2005 bis 2007 sechs große Bundestagungen und Kongresse zu Arbeitsfeldern der Erziehungshilfen (wie Tagesgruppen, Heimerziehung, Erziehungsstellen, Integrierte Erziehungshilfen, Pflegekinderwesen) ausgerichtet, zehn Fachtagungen und sechs Internationale Fachgespräche und Veranstaltungen durchgeführt, eingeladen zu zwölf ExpertInnengesprächen, fast fünfzig Fortbildungsseminare durchgeführt, siebzig Inhouse-Fortbildungsseminare für Einrichtungen und Dienste erfolgreich abgeschlossen. Im gleichen Zeitraum haben die Aktiven des Verbandes gemeinsam mit der Geschäftsstelle Materialien erstellt und fachlich Position bezogen durch drei Bände in der „Gelben Schriftenreihe“ (u.a. Zielentwicklung und Hilfeplanung, fallbezogene Darstellung der Kooperation Jugendhilfe und Psychiatrie), in Form von vier Bänden in der „Blauen Schriftenreihe“ mit dem Reihentitel „Erziehungshilfe-Dokumentationen“ Praxisqualifikation ebenso betrieben wie durch fünf neue Titel in unserer Reihe ,Basistexte Erziehungshilfen“ im JUVENTA-Verlag. Darüber hinaus erschienen vier Abschlussarbeiten in Buchform über Ergebnisse aus Modellprojekten, an denen die IGfH federführend beteiligt war. Fünfzehn Themenhefte unserer Fachzeitschrift Forum Erziehungshilfen (Auflage 2.700 Exemplare) konnten wir produzieren, zwei weitere Publikationen aus Fachtagungen der IGfH, drei Broschüren, Online-Veröffentlichungen und Online-Informationsangebote (z.B. Homepage www.dein-vormund.de in mehreren Sprachen oder www.DieBeteiligung.de) traten hinzu.
Und – bleiben wir bei der summarischen Auflistung – wir haben viel ausprobiert, in kleineren und größeren Modellprojekten mit wechselnden PartnerInnen. Die IGfH hat im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 mit unterschiedlichen PartnerInnen insgesamt neun Modellvorhaben umgesetzt. Wir haben sechs Stellungnahmen erarbeitet, ein sozialpolitisches Forum ausgerichtet. Und wir haben den Austausch intensiv gesucht, vieles in Netzwerken gemeinsam bewegt, mindestens 24 Gremien - Vorstand, Delegiertenversammlung, sechs Fachgruppen, neun Regionalgruppen, fester Arbeitskreis Inobhutnahme, fünf Ad-hoc-Arbeitsgruppen im Berichtszeitraum, zwei Redaktionen für Schriften (Forum Erziehungshilfen und Basistexte Erziehungshilfen), Beirat Forum Erziehungshilfen - gestalteten die IGfH auch in ihren Treffen wesentlich mit. Und hier müssen auch die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle dankend erwähnt werden, denn ohne ihr Engagement – häufiger auch über die Normalarbeitszeit hinaus – und ihr Koordinationsgeschick wäre diese „Leistungsschau“ nicht durchführbar!
Neuakzentuierungen und Kernaufgaben
Aber gleichzeitig müssen wir auch feststellen, dass dies nur Nennungen des Outputs, der Materialisierung der gemeinsamen Arbeit sind und alle diese Auflistungen sagen noch nicht unbedingt etwas aus über die Qualität und die Intensität der Arbeit oder die Bindungskraft der Aktionsformen und Aktivitäten – geschweige denn über ihre Nachhaltigkeit. Und so manche(r) mag durchaus denken, ob nicht bei der Vielzahl dieser Aktivitäten die Kontur verloren geht? Das ist in der Tat eine wichtige Frage für eine Netzwerkorganisation wie die IGfH, die gleichzeitig durch klare Konturen auch neue Mitglieder gewinnen und alte binden will.
Der vorliegende Geschäftsbericht für die Jahre 2005 bis 2007 bietet (auch zwischen den Zeilen der Auflistungen) einige – nicht endgültige– Antwortmöglichkeiten an. Sicher sind auch andere Lesarten und Interpretationen möglich, über die in den Gremien, aber auch auf der Mitgliederversammlung offen diskutiert werden muss. Dieser Bericht zeigt zunächst nur, wir sind präsenter geworden mit unseren Veranstaltungsformaten und „Produkten“ – sowohl gegenüber den Mitgliedern (z.B. starkes Anwachsen der Inhouse-Fortbildungen - vor allem auch für Mitgliedseinrichtungen -, Praxisprojekte mit Einrichtungen und Diensten, Ausbau der Basistexte-Reihe und Ansprache von jungen Mitgliedern etc.) als auch für fachinteressierte (noch) Nicht-Mitglieder, PartnerInnen sowie Bundesstellen (z.B. durch die Forschungsprojekte, Fachtagungen, die internationalen Aktivitäten und unterschiedlichen Schriften etc.).
Der Rückblick in Form des Geschäftsberichts zeigt auch: Wir haben mehr ausprobiert, waren neugierig (z.B. in kleinen und großen Modellprojekten, durch das Bewegen auf für uns „neuen“ Feldern (Pflegekinderwesen), durch neue Inhalte und Formate im Tagungsbereich, durch pfiffige Aktionen von Gremien etc.) und wir erweitern unsere „klassische Themenpalette“. Am deutlichsten werden diese Akzentuierungen und das Austarieren von neuen und alten Themenfeldern in zwei Bereichen: Erstens muss das seit 2004 bewusst gesteigerte fachliche Engagement auch im Bereich der anderen Formen der außerfamiliären Unterbringung, dem Pflegekinderwesen, erwähnt werden. Dazu haben wir Bücher zum Feld publiziert und Autoren angeworben (Jürgen Blandow in der Basistexte Reihe, Alfred Marmann über leibliche Kinder in Pflegeverhältnissen: Blaue Reihe), haben nationale und internationale Tagungen ausgerichtet, bleiben über das Engagement der Fachgruppe Erziehungsstellen hinaus bei diesem Thema „besonders am Ball“, was durchaus auch bundesweit wahrgenommen wird. Unser Engagement auf diesem Feld folgt der Einsicht, dass ein Verband für Erziehungshilfen auch die Formen der außerfamiliären Unterbringung jenseits der Heimerziehung stärker im Blick haben muss – auch, aber nicht nur, vor dem Hintergrund der Diskussionen um familienanaloge Unterbringungsformen.
Das andere Feld des noch weiter verstärkten Engagements finden wir auf dem internationalen Bereich. Die Aktivitäten hier gingen 2005 bis 2007 weit über die Mitarbeit im FICE Netzwerk hinaus. Sechs Internationale Fachgespräche und Veranstaltungen sowie drei Publikationen z.B. zur grenzüberschreitenden Fallarbeit oder zur Kinder- und Jugendhilfe in den neuen EU-Staaten zeugen davon. Dieses Engagement folgt der Überzeugung, dass es für die Einrichtungen und Dienste (nicht nur in der IGfH) zukünftig wichtiger werden wird, ein Lernen aus der Differenz zu beginnen; beispielhaft gelang es dieses Lernen zu befördern auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Wie wird ein Fall zum Fall im europäischen Vergleich“, auf der unterschiedliche LändervertreterInnen ihr Umgehen mit bestimmten Fallkonstellationen miteinander diskutierten.
Auf der anderen Seite kann man diesem Geschäftsbericht entnehmen, dass wir unsere gewachsenen Kernfelder der erzieherischen Hilfen nicht aufgegeben haben, im Gegenteil: Die Fachgruppen, der Vorstand, die Delegierten, die Geschäftsstelle haben gemeinsam dazu beitragen, dass durch arbeitsfeldbezogene Großtagungen die Bereiche Tagesgruppen, Heimerziehung, Erziehungsstellen, integrierte und ambulante Hilfen weiter ausbuchstabiert wurden; praxisnahe Publikationen zur Hilfeplanung, zur Schnittstelle von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie, zur Dokumentation im Erziehungsalltag, die Hefte des Forum Erziehungshilfen, praxisbezogene Modellprojekte zu sozialpädagogischen Diagnosen mit Familien, Erprobungsansätze zu Familiengruppenkonferenzen, ein Fotokalenderprojekt mit Jugendlichen und vor allem stark von PraktikerInnen nachgefragte Fort- und Weiterbildungen haben 2005 bis 2007 auch unsere klassischen Kernarbeitsfelder konturiert.
Und noch etwas macht der vorliegende Geschäftsbericht deutlich: Wir haben unsere Leitthemen wie das Engagement für eine abgesicherte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen – aber auch Familien – in den Erziehungshilfen, das Streiten für die Kinderrechte im Feld und altersgerechte Information, aber auch das Einsetzen für eine nicht ausgrenzende Kinder- und Jugendhilfe und für ein Recht in Freiheit erzogen zu werden, nicht nur beibehalten, sondern verstärkt. Davon zeugen z.B. Tagungen, drei Modellprojekte (zweimal zu Beteiligung von Kindern in der Heimerziehung und Projekte zur Einbeziehung von Familien etc.), Informationsbroschüren zur Vormundschaft und zum Beteiligungsklima im Heim oder Fort- und Weiterbildungen und Multiplikatoren-Trainingsformen zum Thema. Und: Auf fast allen Großtagungen war die Problematisierung der Formen der Geschlossenen Unterbringung Thema, wir haben drei ExpertInnengespräche zu den Grauzonen der Geschlossenen Unterbringung ausgerichtet, im Forum Erziehungshilfen ein Schwerpunktheft dazu gemacht und nicht zuletzt durch Publikationen wie „Ausgegrenzt und mittendrin“ (Gelber Band von Charlotte Köttgen) an Fallbeispielen gezeigt, wie Fälle erst zu Fällen (auch für die Formen der Geschlossenen Unterbringung) gemacht werden.
Wenn man die Kernorientierungen beibehält und mit Aktivitäten unterlegt und gleichzeitig eine Ausweitung oder Akzentuierung auf neue Felder vornimmt, kommt natürlich diese Ausweitung von Aufgaben auch an Grenzen; Grenzen der Komplexität – auch für Mitglieder, an Grenzen der Arbeitszeit und der Belastung für die haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Hier gilt es auch darauf zu dringen, dass eine Ausweitung der Aufgaben des Fachverbandes mittelfristig personell und finanziell unter Umständen auch von interessierten Bundesbehörden und/ oder durch Kooperationen abgesichert wird.
Wir können noch genug tun …
Die Gewinne einer deutlicheren Präsenz bei Ausweitung der Themenpalette sind dann vorhanden, wenn wir unsere bisherige gelungene Vernetzungsarbeit zwischen den Aktiven und zwischen den Aktionsformen weiter vorantreiben, dann kann beispielsweise der Blick frei werden auf Fremdplatzierungspolitiken – wie sie übrigens alltäglich in Kommunen durchgeführt und gedacht werden – und zwar unter Einschluss beispielsweise des Pflegekinderwesens. Und bisher haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, unsere Tagungen und Fort- und Weiterbildungen auf unsere Buchprojekte zu beziehen und umgekehrt (z.B. Thema pädagogischer Umgang mit Traumata in den Erziehungshilfen, Zielfindung und Hilfeplanung etc.) oder aus Modellprojekten (wie sozialpädagogische Diagnosen mit Familien, Familiengruppenkonferenzen etc.) Erkenntnisse und Ergebnisse in Weiterbildungsformate zu überführen. Das zeigt, wir müssen
damit fortfahren Neues auszuprobieren. Gleichzeitig sollten wir das vorhandene vielfältige Know-how unserer Aktiven und PartnerInnen nutzen und ihnen Gelegenheiten anbieten dieses aktiv einzubringen.
Angebote die Alltagsprobleme des Erziehungsalltags in den Erziehungshilfen zu diskutierten, das Aneignen von Methoden und Zugängen muss dann weiterhin ergänzt werden durch die Thematisierung von Grundsatzfragen der Ausrichtung von Erziehungshilfen. Die Arbeit an Haltungen und Angebote zur Selbstreflexion der eigenen Profession und des organisierten pädagogischen Handelns sind dabei allerdings ebenso wichtig wie die Thematisierung von fachlichen Standards und die sozialpolitische Einmischung durch den Fachverband auf der Landes- und Bundesebene. Gerade auf der letzteren Ebene können wir sicher noch aktiver werden, die Ausgründung eines sozialpolitischen Arbeitskreises und zukünftige Kooperation mit anderen (z.B. Gilde Soziale Arbeit) könnte dies befördern.
Die IGfH hat Ende 2007 eine Mitgliederbefragung gestartet, deren Ergebnisse auf der Mitgliederversammlung 2008 vorgestellt werden, dies wird uns neue Hinweise geben, die auch für die zukünftige Ausrichtung des Verbandes wichtig sein können. Dabei werden wir nicht nur unter uns bleiben können, sondern es gilt, neue junge wie ältere Mitglieder zu gewinnen, BerufseinsteigerInnen zu unterstützen, wie das z.B. durch das neue Forum Start 2007 begonnen wurde. Die angedachte Mitgliederkampagne sollte nach 2008 dann auch Realität werden, hier gilt es dann allerdings Kernbotschaften zu präzisieren, damit deutlich wird, für was die IGfH steht und was sie nicht leistet. Neben dem stationären Bereich sollten wir uns in der neuen Legislaturperiode stärker in die Ausgestaltung des ambulanten Bereiches einbringen, uns aber auch z.B. mit familienbezogenen Heimunterbringungsformen systematisch auseinandersetzen, endlich das Thema des Migrationshintergrundes im Kontext der Erziehungshilfen breiter aufgreifen. Und sicher brauchen wir auch verstärkt Anknüpfungspunkte über fachliche Diskussionen, um mehr als bisher öffentliche Träger zur Mitwirkung innerhalb der IGfH zu gewinnen.
Diese zukünftigen – zu diskutierenden - Vorhaben und all die im vorliegenden Geschäftbericht 2005 bis 2007 dokumentierten Aktivitäten können wir nicht durchführen ohne überzeugte und engagierte Aktive in der IGfH. Ohne die enge und vertrauensvolle Kooperation von ehrenamtlich Engagierten in der IGfH und hauptamtlich Beschäftigten in der Geschäftsstelle ist eine solche Fülle von hier dokumentierten Aktivitäten nicht gestaltbar. Ihnen sei an dieser Stelle Dank für und Respekt vor der gemeinsamen Leistung ausgesprochen!
Frankfurt a.M., im Juni 2008
Ihr Josef Koch
(Geschäftsführer)
2. Veranstaltungen der IGfH
Entsprechend der satzungsgemäßen Ziele der IGfH sind die Veranstaltungen des Fachverbandes zum einen darauf gerichtet, im Interesse der Förderung und Qualifizierung erzieherischer Hilfen fachlichen und kollegialen Austausch sowie Fortbildung für Fachkräfte der Erziehungshilfen zu organisieren und über für den Arbeitsbereich relevante Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung zu informieren. Zum anderen geht es um Einflussnahme auf die öffentliche Meinung und Politik mit dem Ziel, den jugendhilfepolitischen Stellenwert der erzieherischen Hilfen einschließlich der Leistungen ihrer MitarbeiterInnen in das öffentliche Bewusstsein zu heben, die Interessen und Rechte der betroffenen jungen Menschen und Familien bewusst zu machen und die Ursachen und Auswirkungen der Vernachlässigung angemessener Rahmenbedingungen der erzieherischen Hilfen aufzuzeigen.
Die Umsetzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen im Sinne der Charta des Kindes und der UN-Konvention über die Rechte des Kindes sowie die systematische Berücksichtigung von Genderaspekten zur Förderung der Chancengleichheit von Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männern sind originäre verbandspolitische Anliegen der IGfH, die sich sowohl als Querschnittsthema in den verschiedenen Fachveranstaltungen als auch durch die Auswahl spezieller Fragestellungen für Einzelveranstaltungen im Veranstaltungsprogramm niederschlagen.
Ein weiteres, wichtiges Anliegen der IGfH ist es nach wie vor, einen spezifischen Beitrag zur Qualifizierung sozialpädagogischer Fachkräfte in der Praxis durch Fortbildung zu leisten. Alle Fortbildungen zielen vor allem auf die Unterstützung oder auch Entwicklung einer wertschätzenden, partizipativen Grundhaltung der Fachkräfte in der Erziehungshilfe gegenüber ihren AdressatInnen. Auf der Grundlage einer solchen Haltung sollen die Fortbildungsangebote der IGfH die Erweiterung von Handlungskompetenzen in der Praxis erzieherischer Hilfen durch die Vermittlung von Erkenntnissen und insbesondere auch Methoden sozialer bzw. pädagogischer Arbeit unterstützen. In allen Veranstaltungen wird Wert auf die Einbeziehung der Erfahrungen und Ressourcen der TeilnehmerInnen und auf einen effektiven Theorie-Praxis-Transfer gelegt. Die vermittelten Inhalte und Methoden sind theoretisch unterlegt und wissenschaftlich fundiert.
Das Angebot von Fortbildungsaktivitäten innerhalb von Einrichtungen und Institutionen freier und öffentlicher Träger der Erziehungshilfe (Inhouse-Fortbildungen) verbindet die oben formulierten Ziele mit der Möglichkeit, konkrete einrichtungsbezogene Bedingungen und Problemlagen zu berücksichtigen, in die Fortbildungsinhalte einzubeziehen und damit mittelbar auch zur Entwicklung der Institutionen beizutragen. Durch die Möglichkeit der Beteiligung mehrerer, günstigstenfalls aller MitarbeiterInnen der jeweiligen Einrichtung sowie auch den Einbezug von EntscheidungsträgerInnen und Führungskräften in den Fortbildungsprozess können gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Praxisveränderung geschaffen werden.
Mit Veranstaltungen, die in länderübergreifender Kooperation organisiert werden und sich mit internationalen Themen befassen, konnte auch das Profil der IGfH als international agierender Fachverband weiter geschärft werden.
Um die genannten Ziele zu verfolgen und verschiedene Zielgruppen – nämlich sowohl MitarbeiterInnen der Praxisebene als auch Führungskräfte öffentlicher und freier Träger der Jugendhilfe, VertreterInnen von Verbänden und Politik sowie aus Lehre und Wissenschaft – zu erreichen, bediente sich die IGfH in den Jahren 2005 bis 2007 in deutlich erweitertem Maße verschiedener Veranstaltungsformate.
Zusätzlich zu den bundesweit ausgeschriebenen und zentral durchgeführten Veranstaltungen wurden im Berichtszeitraum zahlreiche Inhouse-Fortbildungsseminare in Einrichtungen öffentlicher und freier Träger der Jugendhilfe konzipiert und durchgeführt. In den Berichtsjahren 2005-2007 fanden statt:
Darüber hinaus beteiligte sich der Fachverband mit der Ausrichtung von insgesamt nochmals vier Fachveranstaltungen aktiv am 6. Bundeskongress Soziale Arbeit 2005 in Münster sowie am 45. Internationalen FICE-Kongress in Sarajewo 2006 (Titel: Auch mit belasteter Kindheit die Zukunft positiv gestalten!) mit insgesamt fünf Foren bzw. Präsentationen.
Die Kooperationen im Veranstaltungsbereich, aber auch darüber hinaus, wurden im Berichtszeitraum intensiviert und weiter ausgebaut. Zu nennen sind zwischen 2005 und 2007 zum Beispiel Kooperationen mit
Allen KooperationspartnerInnen sei an dieser Stelle für die partnerschaftliche und konstruktive Zusammenarbeit herzlich gedankt!
2.1 Bundestagungen
IGfH-Jahrestagung „Hinter’m Horizont geht’s weiter … Perspektiven der Jugendhilfe - Zukunft für Kinder und Jugendliche
vom 14. bis 16.09.2005 in Dortmund mit 420 TeilnehmerInnen und ca. 90 Aktiven
Alle drei Jahre lädt die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen interessierte Mitglieder und Fachkräfte aus Praxis, Lehre, Forschung, Verbänden und Politik zu ihrer Jahrestagung ein. Nach Dresden, Nürnberg und Berlin fand , Sekretariat die Jahrestagung vom 14. bis 16. September 2005 in Dortmund statt. In Kooperation mit der Fachhochschule Dortmund und dem Jugendamt der Stadt Dortmund wurde ein anspruchsvolles und vielseitiges Tagungsprogramm vorgelegt unter dem Tagungsthema: „Hinter´m Horizont geht´s weiter ... Perspektiven der Jugendhilfe - Zukunft für Kinder und Jugendliche“. Die Tagung wurde ermöglicht durch den unermüdlichen Einsatz einer Vorbereitungsgruppe, bestehend aus der IGfH-Regionalgruppe NRW, Professoren und StudentInnen der Fachhochschulen Dortmund und Münster mit tatkräftiger Unterstützung der Geschäftsstelle der IGfH.
Versucht man die verschiedenen Themenstränge der Tagung mit den Abschlussstatements des letzten Tages zu verbinden, dann ergibt sich ein vielfältiges Bild von Themen, Aufgaben und Herausforderungen für die Jugendhilfe vor und hinter dem Horizont:
(Textauszüge aus dem Tagungsbericht von Lucas-Johannes Herzog entnommen, veröffentlicht in ForE 5/2005)
15. Bundestagung Tagesgruppen
Zukunft Tagesgruppen: Was heißt heute teilstationär? Lernorte für Familien u. Kinder
vom 02. bis 04. März 2006 in Düsseldorf mit insgesamt 440 TeilnehmerInnen
In zweijährigem Abstand treffen sich die PraktikerInnen der Tagesgruppenszene bundesweit und diskutieren aktuelle Themen dieser Hilfeform. 2006 geschah dies in Düsseldorf mit dem Anspruch im Titel, die Lernorte der Tagesgruppe zu reflektieren und damit Schlaglichter zu werfen auf eine Hilfeform, die anscheinend zunehmend wieder teil-stationäre Funktionen erfüllen soll. Ein weiteres Anliegen der Tagung war in Fachforen den Stand der Umsetzung von Sozialraumentwicklung in Düsseldorf zu betrachten, dessen Jugendamt sich im Rahmen der Feierlichkeiten seines 50-jährigen Bestehens an der Tagung beteiligte.
Themen der Kongressdebatten waren: „Als MitarbeiterInnen älter werden in der Tagesgruppe“, „Elternarbeit und Zwangskontexte“, „Überlegungen zu Entwicklung von Familienzentren“, „Entwicklung der offenen Ganztagsschulen“, „geschlechtsspezifische Ansätze“, „Qualitätsverlust durch Rationalisierung und zeitliche Einschränkungen der Förderung“, „Identität und Erfolg in der Tagesgruppenarbeit“ (siehe auch Tagungsdokumentation im Internet www.igfh.de).
Der Ausblick bezog sich schließlich auf Entwicklungsfragen an die Tagesgruppen. Wie gestalten sie das Verhältnis zwischen Flexibilität und sicherem Lernort? Wie entwickeln sie die Kooperation zum Schulsystem weiter? Welche Formen und Parteilichkeiten und Einmischung in soziale und politische Fragen gelingen ihnen? Welche Ideen zu Partizipation, Evaluation und Wissens- und Methodenentwicklungen werden gefunden?
Gerahmt wurde die Bundestagung von reichhaltigen Büffets und vielen Begegnungen und Gesprächen der TagesgruppenkollegInnen, von denen viele neue Ideen, ein Stück Standortbestimmung ihrer Arbeit und die Erinnerung an eine gelungene Tagung mit nach Hause nahmen.
(Textauszüge aus dem Tagungsbericht von Achim Stopp, veröffentlicht in ForE 3/2006)
5. Bundestreffen Integrierte und sozialräumliche Erziehungshilfen
vom 10. bis 12. Mai 2006 in Ludwigsfelde-Struveshof mit insgesamt 138 TeilnehmerInnen
Zum fünften Mal veranstaltete die Fachgruppe Integrierte Erziehungshilfen der IGfH mit Unterstützung der Geschäftsstelle 2006 das Bundestreffen Integrierte Erziehungshilfen. Schon traditionell wurde in Ludwigsfelde-Struveshof im Sozialpädagogischen Fortbildungswerk des Landes Brandenburg getagt. Prof. Dr. Dres. h.c. Hans Thiersch leitete ein mit dem Thema „Institutionalisierung und Entgrenzung – Die sozialräumliche Perspektive in der Sozialpolitik“. Im Verlauf der Tagung sollte sich herausstellen, dass Hans Thiersch die Rahmung für vielfältige Diskussionsforen und Workshops geliefert hatte.
Beispielhaft seien hier nur einige Eindrücke aus dem vielfältigen Angebot geschildert: Dr. Maria Lüttringhaus (ISAAB Essen) stellte Gemeinwesenarbeit und Sozialraumarbeit gegenüber und konnte anhand von Schwerpunkten auch die Überschneidungen der Ansätze sehr deutlich aufzeigen: Beteiligung als ein durchgängiges Arbeitsprinzip herstellen, nach den Motivationen der Betroffenen suchen, Angebote flexibel und kreativ entwickeln. In einem anderen Workshop fasste Prof. Dr. Mechthild Wolff (FH Landshut) einige positive Aspekte der integrierten und flexiblen Hilfen zusammen: die Kooperation innerhalb von Behörden nimmt zu; Spezialisierung wird aufgehoben; Bedarfe werden schneller sichtbar; alle Beteiligten erwerben mehr Kenntnisse über das Umfeld der Klienten; das Arbeiten am Willen der Betroffenen wird verstärkt in den Mittelpunkt gerückt; Ernstnehmen der Betroffenen wird Grundverständnis der Hilfe. Ein praktisches Beispiel aus Dresden stellten Anne Klinger (Projekt KiNET ) und Dr. Chantal Munsch (Apfe e.V.) in ihrem Workshop sehr lebendig vor. KiNET- ein entstehendes Netzwerk für Frühprävention, Sozialisation und Familie im Stadtteil Gorbitz soll durch die Verbindung aller, die in der einen oder anderen Weise mit Familien zu tun haben und sich für ein besseres Aufwachsen von Kindern engagieren wollen, funktionieren.
Die abschließende öffentliche Befragung der Teilnehmer/innen zum Abschluss der Tagung ergab zwei Aufträge für jetzt und später: Hilfen zur Erziehung sollen unbewusste Wege in bewusste Bahnen lenken! Und: Sozialarbeit muss aktuelle Begriffe selbst besetzen, bevor diese gesellschaftlich und politisch anderweitig verwendet werden! Die Bundestagung wurde in einer Online-Veröffentlichung „Rundbrief Integrierte Erziehungshilfen“, der auf den Seiten der IGfH herunter ladbar ist, dokumentiert.
(Textauszüge aus dem Tagungsbericht von Sylvia Kopp, veröffentlicht in ForE 4/2006)
Facetten der Modernisierung. Das Pflegekinderwesen zwischen Milieu, Professionalisierung und Selbstorganisation
Fachtagung in Kooperation mit der Universität Siegen vom 27.09. bis 28.09.2006 in Siegen mit ca. 200 TeilnehmerInnen
Zur Tagung waren Fachkräfte aus dem Pflegekinderwesen und anderen sozialpädagogischen Diensten aus dem gesamten Bundesgebiet gekommen, um sich vor dem Hintergrund verschiedener Vorträge und Arbeitsgruppen rückblickend, aber vor allen Dingen vorausschauend mit einer großen Formenvielfalt sehr unterschiedlicher Pflegeverhältnisse und Dienste auseinander zu setzen und auf Fragen nach der Professionalisierung von Pflegepersonen und Diensten neue Antworten zu finden.
Gefordert wurde ein Ende der Polarisierungen zwischen Ergänzungs- und Ersatzfamilien: Wichtig sei vor allem die Beteiligung der Kinder auf der einen Seite und die kritische Reflektion tradierter Familienbilder, wie sie noch immer in vielen Köpfen von Fachkräften existieren, auf der anderen Seite, so die Conclusio der Tagung.
Riet Portengen aus den Niederlanden nannte ihren Vortrag „Öffnung des Pflegekinderwesens- Pflegekinder in Zeiten des Wandels der Sozialsysteme“. Durch die Grundhaltung „Man kann die Kinder aus den Familien nehmen, nicht aber aus den Kindern die Familie“ bekommt das soziale Netzwerk – nämlich die Eltern, Verwandten, Freunde, Bekannten – eine wesentliche Stärke, sie seien aktiv mit einzubeziehen bei der Frage, wo ein Kind, das nicht bei seinen Eltern sein kann, leben soll.
Die sich anschließenden Arbeitsgruppen griffen dann verschiedene Themen noch einmal auf. Im Rahmen der AG „Verwandten- und soziale Netzwerkpflege – zwischen Nachvollzug und homefinding“ stellte Michael Walter die Forschungsergebnisse der empirischen Untersuchung zur „Verwandtenpflege“ vor. Sein Ergebnis: Verwandtenpflege braucht nicht weniger, sondern andere Unterstützung als Fremdpflege. Dazu müsse dem gesamten Familiensystem (soziale Netzwerkarbeit) ein besonderes Methodenrepertoire angeboten und die Besonderheiten der Verwandtenpflege seitens der Fachkräfte gesehen werden. Seine Empfehlung ist, dass Verwandtenpflegestellen aufgrund ihrer Besonderheit in einem Spezialdienst zusammengefasst werden sollten.
Den Schluss der Veranstaltung übernahm Jürgen Blandow mit seinem Vortrag „Zwischen Stagnation und neuem Aufbruch – das Pflegekinderwesen in der fachlichen und jugendhilfepolitischen Diskussion“. Er führte die TeilnehmerInnen der Tagung durch die zeitgeschichtliche Entwicklung des Pflegekinderwesens und formulierte deutlich den Vorwurf, dass der Pflegekinderbereich sich nicht ausreichend als Alternative zur Heimerziehung ausgebaut habe und dass das Pflegekinderwesen die ambulanten und teilstationären Hilfen einfach ausblende. Nur so konnte es kommen, dass das Pflegekinderwesen sich quasi „als 3. Säule“ entwickelt habe. Ausdruck hierfür z.B. die Tatsache, dass Pflegekinderdienste nach wie vor meist jüngere Kinder vermitteln und auch die Anforderungen an die Pflegeeltern häufig tradierten Vorstellungen entsprechen. Er hob hervor, dass Lebensentwürfe veränderbar sind und sich entwickeln. Und so ist zwar für Pflegekinder die Beständigkeit der Vollzeitpflege wichtig, aber es sei an der Zeit, unkonventionelle und mittelschichtsuntypische Familien als Potenzial zu sehen. Vorträge sind auf den Seiten der IGfH herunter ladbar.
(Textauszüge aus dem Tagungsbericht von Imke Büttner, veröffentlicht in ForE 5/2006)
4. Bundestagung Erziehungsstellen
Erziehungsstellen im Umbruch – Bewährtes sichern, Neues wagen
vom 3. bis 5. Mai 2007 in Oberhausen mit insgesamt 384 TeilnehmerInnen
Die Fachgruppe Erziehungsstellen der IGfH veranstaltete 1997 erstmals eine bundesweite Tagung zur professionellen Familienerziehung. In der damaligen Ausschreibung hieß es: „Die IGfH Fachgruppe Erziehungsstellen stellt auf diesem Kongress die professionelle Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien/Erziehungsstellen erstmals einer breiten Fachöffentlichkeit vor.“ 10 Jahre und vier Kongresse später sind Erziehungsstellen ein etabliertes Angebot, das einen festen Platz im Kanon der Hilfen zur Erziehung hat; ein Angebot, das weiterentwickelt wurde und dementsprechend aber auch eigene Schwierigkeiten und Grenzen in den aktuellen Fach- und Spardiskussionen kennen gelernt hat. Im Mai 2007 fand die 4. Bundestagung Erziehungsstellen in Oberhausen mit 384 TeilnehmerInnen statt. Im Rahmen der Tagung spiegelte sich die Etablierung und die Professionalität des Angebotes. Die aus allen Bereichen des Pflegekinderwesens anwesenden TeilnehmerInnen reflektierten mit Hilfe vielfältiger Arbeitsformen und Methoden, wie z.B. Open Space oder in moderierten Foren mit Inputs, was Erziehungsstellen leisten können und was eben auch nicht. Vor allem wurde der Frage nachgegangen: Welche (besonderen) Bedingungen braucht es, um Mädchen und Jungen ein gelingendes Aufwachsen in dem privaten Umfeld einer „professionellen“ Familie zu ermöglichen? Die Gestaltung von Platzierungsprozessen, Beratung von Familien, aber auch Partizipation und Kinderschutz sind dabei nur einige Stichworte.
3. Bundestagung Heimerziehung
Gegenwart gestalten – auf Ungewissheit vorbereiten. Heimerziehung und Bildung
vom 24. bis 26. September 2007 in Tübingen mit insgesamt 350 TeilnehmerInnen
Rainer Treptow, der das Eröffnungsreferat hielt, eröffnete seinen Vortrag mit einer Näherung an den Begriff der “guten Zeit”: Wichtig sei, dass Gewissheiten erfahrbar werden und Verlässlichkeit gezeigt wird. Ungewissheit solle, so Treptow, als biografisches Risiko, als “Hängepartie”, aber auch als Chance und Freiraum für Selbstbestimmung und als Kluft zwischen Erfahrung und Erwartung thematisiert werden. Bei dem Verhältnis Heimerziehung und Bildung hingegen äußerte er Skepsis an der Erfüllung des Bildungsauftrags durch die Heimerziehung und warnte vor der Abkoppelung der Heimerziehung von der Bildung, von “halbierter Pädagogik” war die Rede.
Am zweiten Tag waren drei Foren vorgesehen: „Bildung und Heimerziehung – Ideale und Realitäten“; „Orte des Lebens – Orte des Lernens“ und „Wege des Miteinanders – Kooperationsgestaltung als Chance“ waren die Themen, die durch Referate näher in Augenschein geraten sollten. So zeigte der „Blick über den Tellerrand“, dass es z.B. in einer schwedischen Schule für 150 Schüler 25 Lehrer gibt, dass es landesweit 17 Programme für die Förderung von Schülern gibt und zusätzlich spezielle bzw. individuelle Programme für verschiedene Schüler existieren. Alle Behörden, also Sozialamt, Jugendamt, Arbeitsamt, Gesundheitsamt, Ärzte und Psychologen haben ihre Vertreter in der Schule, d.h., die Schule kann sofort reagieren, wenn Auffälligkeiten bemerkt werden. In Schweden gibt es daher nur sehr wenige Schulabbrecher.
Zahlreiche Workshops und Exkursionen ergänzten die konzeptionellen und praxisorientierten Darstellungen. Für die Fachgruppe Heimerziehung gibt es in der Folge der Tagung sicherlich noch gute weitere Diskussionen zum Thema „Heimerziehung und Bildung“. 2008 wird zum Thema ein Sammelband in der Gelben Reihe der IGfH erscheinen und die Diskussion vertiefen. (Textauszüge aus dem Tagungsbericht von Saied Farman, veröffentlicht in ForE 5/2007).
2.2 Fachtagungen
Mit zumeist zusätzlich zum Veranstaltungsprogramm organisierten, zum Teil kurzfristiger angesetzten ein- und zweitägigen Fachtagungen und Informationsveranstaltungen wurde verstärkt im Berichtszeitraum von 2005 bis 2007 ein neues Veranstaltungsformat ausgebaut, das es ermöglicht hat, einerseits aktuelle fachliche Entwicklungen und Themen aufzugreifen (z. B. Heimerziehung in den 50er Jahren oder Junge Volljährige), andererseits mit einer größeren Anzahl von FachkollegInnen Ergebnisse und Erfahrungen aus Praxisprojekten der IGfH (Sozialpäd. Diagnosen mit Familien, Drogen in der Jugendhilfe, Family Group Conference-Modelle, Grenzüberschreitende Zusammenarbeit etc.) zu diskutieren.
Die zum Teil hohe TeilnehmerInnenzahl, aber auch die intensiven Diskussionen auf den Tagungen sowie später daran anknüpfende Nachfolgeprojekte zeigen, dass hier Akzente für FachkollegInnen jenseits der kleineren ExpertInnengespräche und Großtagungen gesetzt werden können. Diese Tagungen sprachen auch verstärkt Nicht-Mitglieder an. Inhaltlich lag ein Schwerpunkt der Veranstaltungen sicher auf Beteiligungsmodellen für Jugendliche und Familien (vier der zehn Veranstaltungen). Außerdem konnte erfolgreich ein erstes Kolloquium für Studierende zu Themen der Erziehungshilfen durchgeführt werden, was insbesondere der Notwendigkeit zur Gewinnung junger Aktiver Rechnung trägt.
Im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 wurden folgende Fachtagungen durchgeführt, die hier weitgehend unkommentiert aufgelistet werden. Ausführlichere Berichte enthalten die jährlichen Sachberichte, die in der Geschäftsstelle oder unter www.igfh.de abrufbar sind.
2.3 Internationale Fachgespräche und Veranstaltungen
Die IGfH hat über ihre Arbeit in der FICE hinaus im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 im verstärkten Maße Foren und Tagungen initiiert, die einen internationalen Fachaustausch über Formen, Bedarfe und Intentionen der Erziehungshilfen anboten. Mit einem Lernen aus der Differenz ist dabei auch immer eine Annäherung gemeint, d.h., Praxis- und WissenschaftsvertreterInnen sollen sich treffen und sich über fachliche Konzepte und Modelle der Erziehungshilfen austauschen.
Fortgesetzt wurde in diesem Rahmen zum Beispiel die schon 2003 begonnene Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz, mit einer alle zwei oder drei Jahre gemeinsam mit der IGfH und anderen PartnerInnen ausgerichteten internationalen Fachtagung. Diesmal stand die Betrachtung von Fallverläufen und Reaktionsmustern im europäischen Vergleich auf der Tagesordnung (vgl. auch die Publikation aus dem Jahre 2006/ 2007; erhältlich über das Ministerium oder über die IGfH). Zwei dieser insgesamt sieben internationalen Treffen und Tagungen beschäftigen sich mit den neuen EU-Staaten und Reformprozessen in der Jugendhilfe dieser Länder sowie mit den Rückwirkungen auf das deutsche System. Ergebnisse der Tagung sind nachzulesen im Buch: Matthias Hamberger/ Josef Koch/ Friedhelm Peters/ Rainer Treptow (Hrsg.): Children at risk – Kinder- und Jugendhilfe in Mittel- und Osteuropa, Frankfurt 2006.
Aus einem 2007 begonnenen deutsch-israelischen Fachaustausch wird 2009 ein vergleichender Sammelband entstehen.
Zudem sind Kernpunkte der Diskussionen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe in einem Handbuch zur grenzüberschreitenden Fallarbeit niedergelegt, das sehr hohes Interesse fand, da Vergleichbares bisher nicht vorhanden ist: Britta Sievers/ Heidemarie Bienentreu: Grenzüberschreitende Fallarbeit in der Jugendhilfe. Erfahrungen – Rechtsgrundlagen – Arbeitshilfen, Frankfurt 2006 (Walhalla Fachverlag, Eigenverlag der IGfH).
Gemäß der Intention des Vorstandes deutlich präsenter in der außerfamiliären Erziehung auch in Formen des Pflegekinderwesens zu sein, startete die IGfH 2007 gemeinsam mit Klaus Wolf von der Universität Siegen ein internationales ExpertInnentreffen zum Forschungsstand im Pflegekinderwesen, das zunächst für fünf Jahre jedes Jahr jeweils an einem anderen Ort fortgeführt werden soll. Im Einzelnen wurden 2005 bis 2007 folgende internationale Tagungen durchgeführt:
2.4 ExpertInnengespräche
Mit dem schon lange bewährten Format der ExpertInnengespräche wird das Ziel verfolgt, den Dialog zwischen Theorie und Praxis der sozialpädagogischen Arbeit zu befördern, moderne Entwicklungen zur Kenntnis zu bringen, zu analysieren und kritisch zu hinterfragen bzw. Impulse für neue Denkweisen und Praxisverfahren zu geben. Diskutiert wird in kleineren Gruppen – meist sind PraktikerInnen, Leitungspersonen, KollegInnen von Behörden und Fachverbänden und aus den Hochschulen eingeladen.
Es werden jeweils gezielt ExpertInnen des jeweiligen Themas eingeladen, um ein neues oder neu bzw. anders zu verhandelndes Thema mit Blick auf die weitere Vereinsarbeit zu diskutieren. Häufig werden IGfH-ExpertInnengespräche in Buchform dokumentiert, führen zu Stellungnahmen und/oder zum Aufbau von Fortbildungsangeboten.
Einen Schwerpunkt der ExpertInnengespräche bildet die praxisbezogene Evaluation in den Erziehungshilfen (jährlicher „Klassiker“ Forschungskolloquium Hilfen zur Erziehung mit dem ISS (3) sowie zwei Veranstaltungen zur Evaluation im Rahmen der Betrachtung von Hilfeplanungen und Hilfeplanverläufen). Außerdem wurde in Form von ExpertInnengesprächen vor allem den Grauzonen rund um die Formen der geschlossenen Unterbringung nachgegangen (drei Veranstaltungen).
Im Berichtszeitraum wurden weit mehr als ein Dutzend ExpertInnengespräche durchgeführt, die zum Teil auch bei den Fachtagungen aufgeführt sind. Zu erwähnen sind darüber hinaus folgende Veranstaltungen (ausführlichere Berichte auch hierzu in den jährlichen Sachberichten, die über die Geschäftsstelle zu beziehen sind):
2.5 Studienreisen
2.6 Fortbildungen und MultiplikatorInnentrainings
Im Folgenden werden alle im Berichtszeitraum durchgeführten, bundesweit ausgeschriebenen Fortbildungen und Fortbildungsreihen tabellarisch nach Jahren geordnet aufgeführt.
2005: Fortbildungen (1.-12.), Fortbildungsreihen (13.-15.)
2006: Fortbildungen (1.-20.), Fortbildungsreihen (21.-23.)
2007: Fortbildungen (1.-15.), Fortbildungsreihen (16.-19.)
MultiplikatorInnentrainings
Zur Qualifizierung von TrainerInnen bzw. FortbildnerInnen, die Fortbildungsaufträge für die IGfH übernehmen bzw. perspektivisch übernehmen sollen, wurden im Berichtszeitraum insgesamt 5 MultiplikatorInnentrainings durchgeführt, deren Finanzierung als Investition in Qualitätssicherung von der IGfH übernommen wurde.
2.7 Berufsbegleitende Qualifizierungen
Methoden und Konzepte der Erziehungshilfen – Berufsbegleitende Qualifizierungsreihe für sozialpädagogische Fachkräfte
Das im Jahr 2001 entstandene Kooperationsprojekt, gemeinsam mit dem Institut für Soziale Arbeit Münster, dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Frankfurt am Main und der Paritätischen Akademie Frankfurt am Main unter Federführung der IGfH, „Methoden und Konzepte der Erziehungshilfen – Berufsbegleitende Qualifizierungsreihe für sozialpädagogische Fachkräfte“ wurde 2005 für die fünf noch beteiligten KollegInnen weitergeführt. Für diese wurde erneut ein Programm aus den Fortbildungsangeboten der beteiligten Kooperationspartner zusammengestellt. Im Laufe des Jahres 2005 konnten drei TeilnehmerInnen die Qualifizierungsreihe mit einem Kolloquiumsgespräch erfolgreich abschließen. 2006 wurde die Reihe mit der Durchführung von zwei Kolloquiumsgesprächen für die letzten beiden in der Qualifizierung befindlichen Kolleginnen abgeschlossen. Insgesamt haben somit fünf Fachkräfte aus dem Arbeitsfeld Hilfen zur Erziehung die Qualifizierungsreihe mit erfolgreichem Abschluss durchlaufen.
DeeskalationstrainerIn für Kinder und Jugendliche in der Jugendhilfe – Berufsbegleitende Zusatzqualifizierung für Fachkräfte der Jugendhilfe
Seit Ende der 90er Jahre bietet die IGfH im Rahmen des Fortbildungsprogramms unterschiedliche Seminare zum Thema „Professioneller Umgang mit Konflikten und Gewalt in Einrichtungen der Erziehungshilfe“ an. Nachdem zunächst insbesondere Methoden vermittelt worden waren, die auf bereits eskalierte oder gewaltbegleitete Situationen abhoben, kam das Team der zum Thema aktiven TrainerInnen und FortbildnerInnen in den seit drei Jahren regelmäßig stattfindenden Train the trainer - Seminaren zu der Einsicht, dass PraxismitarbeiterInnen im Arbeitsfeld Jugendhilfe vielschichtige Erkenntnisse und Kompetenzen, vor allem aber auch eine spezielle professionelle Haltung brauchen, um kompetent und souverän mit Konflikten und Konfliktsituationen umgehen zu können.
Im Ergebnis eines längeren Diskussionsprozesses entstand nun ein neues Curriculum für die berufsbegleitende Qualifizierung von Fachkräften der Jugendhilfe zu DeeskalationstrainerInnen für Kinder und Jugendliche, welches seit 2006 als Kooperationsprojekt von IGfH und dem Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) Marburg zum Tragen kommt.
Die Fortbildungsreihe beinhaltet neun dreitägige Seminare (vier Grundlagenseminare und fünf Methodenseminare). Eintägige Gruppensupervisionen mit ausgebildeten SupervisorInnen bieten die Möglichkeit zur Reflexion der Erfahrungen bei der Umsetzung der vermittelten Methoden. Eine dreitägige Abschlussveranstaltung beendet die Ausbildungsreihe. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden die parallel zu entwickelnden Praxisprojekte vorgestellt und die Zertifikate vergeben. Für einen erfolgreichen Abschluss mit Zertifizierung ist die Teilnahme an allen vier Grundlagenseminaren, mindestens drei Methodenseminaren, zwei eintägigen Gruppensupervisionsterminen und der zweitägigen Abschlussveranstaltung notwendig
Es gibt keine zeitliche Begrenzung für die Absolvierung aller erforderlichen Seminare. Alle Seminare werden über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg arbeitsteilig von IGfH und bsj wiederholt angeboten. Die Seminare sind grundsätzlich auch einzeln buchbar, also auch von InteressentInnen, die nicht die Zusatzqualifizierung absolvieren. Das hat zur Folge, dass die Zusammensetzung der TeilnehmerInnengruppen in den einzelnen Seminaren variiert.
Als TeilnehmerInnen können die Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe flexibel Veranstaltungen auswählen und diese zeitlich optimal in ihren Arbeitsalltag integrieren. Gleichzeitig erhalten sie die Möglichkeit, die Lernerfahrungen direkt in ihrer Arbeit umzusetzen und supervidieren zu lassen. Die Inhalte der einzelnen Seminare sind ausgerichtet auf
2.8 Inhouse-Seminare
Das Angebot von Inhouse-Seminaren, also von Fortbildungsaktivitäten innerhalb von Einrichtungen und Institutionen freier und öffentlicher Träger der Erziehungshilfe, ermöglicht es, konkrete einrichtungsbezogene Bedingungen und Problemlagen zu berücksichtigen und in die Fortbildungsinhalte einzubeziehen. Durch die Möglichkeit der Beteiligung mehrerer, günstigstenfalls aller MitarbeiterInnen der jeweiligen Einrichtung sowie auch den Einbezug von EntscheidungsträgerInnen und Führungskräften in den Fortbildungsprozess können gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Praxisveränderung geschaffen werden. Die Chance für das Gelingen von gewünschten Veränderungsprozessen steigt durch den gleichen Informations- und Diskussionsstand der MitarbeiterInnen einer Einrichtung. Insofern übernimmt die IGfH hier – wenn auch in bescheidenem Maße – auch Aufgaben der Organisationsentwicklung.
Im Verlauf des Berichtszeitraumes wurden 121 Anfragen von insgesamt 102 Einrichtungen bzw. öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe für Inhouse-Fortbildungen an die Geschäftsstelle der IGfH gerichtet. Das angefragte Themenspektrum ist weiterhin ausgesprochen breit, wobei als deutliche thematische Schwerpunkte im Berichtszeitraum zum einen die Sozialpädagogischen Diagnosen (21 Anfragen) und zum anderen das Thema „Professioneller Umgang mit Konflikten und Gewalt“ (20 Anfragen) zu identifizieren sind.
Es wurden insgesamt 73 Angebote erstellt und 37 Werkverträge abgeschlossen. Insgesamt wurden im Rahmen laufender Verträge 70 Seminare durchgeführt. Damit haben sich die Inhouse-Aktivitäten quantitativ gegenüber dem Niveau vom vorherigen Berichtszeitraum erneut erheblich gesteigert.
Die im Jahr 2003 im Auftrag der Stadt München gestartete Weiterbildungsreihe für MitarbeiterInnen der städtischen Heime Münchens wurde im Jahr 2005 mit den letzten fünf der insgesamt 16 Seminare planungsgemäß fortgesetzt. Im September wurde das Qualifizierungsprojekt mit einem für alle MitarbeiterInnen der Heime der Stadt München offenen Fachtag, bei dem die 17 AbsolventInnen der Qualifizierung ihre Projektarbeiten präsentierten und die Abschlusszertifikate erhielten, außerordentlich erfolgreich abgeschlossen.
Im Abschlussbericht der mit der Begleitevaluation beauftragten Fachhochschule Landshut wird festgestellt, dass 77 % der TeilnehmerInnen die Qualität der Weiterbildung als sehr gut einstuften. Dabei wurden die Inhalte der einzelnen Module als auch die Kompetenz der ReferentInnen sehr hoch geschätzt. Von besonderem Wert für die TeilnehmerInnen war die hohe Praxisrelevanz der vermittelten und bearbeiteten Seminarinhalte.
Die Qualifizierungsmaßnahme ist bei den TeilnehmerInnen als wertschätzende Maßnahme der öffentlichen Träger für ErzieherInnen in der stationären Erziehungshilfe wahrgenommen worden. Die TeilnehmerInnen bestätigten, dass sie während der Weiterbildung viele fachliche Impulse erhalten haben, die sie unmittelbar in ihrer beruflichen Praxis umsetzen konnten. Im Rahmen ihrer Praxisprojekte, die Weiterbildungsbestandteil waren, konnten für die stationäre Erziehungshilfe viele Ideen für Weiterentwicklungen des Feldes generiert und in der Praxis ausprobiert werden.
Von den TeilnehmerInnen wurde die oft in den Hintergrund rückende Funktion der Persönlichkeitsbildung, die durch Weiterbildungsmaßnahmen angeregt werden kann, hier explizit als wichtiger Nutzen wahrgenommen und herausgestellt.
Als ReferentInnen für alle Inhouse-Aktivitäten wurden in bewährter Tradition vor allem FachkollegInnen gewonnen, die sich ehrenamtlich im Rahmen der IGfH engagieren, langjährige Erfahrungen sowohl in der Praxis der Erziehungshilfe oder/und in der Lehre bzw. als FortbildnerInnen haben und somit für den von den Einrichtungen gewünschten Theorie-Praxis-Transfer stehen.
Um die Zufriedenheit der TeilnehmerInnen an Inhouse-Fortbildungen der IGfH zu erfassen, werden seit der zweiten Jahreshälfte 2006 auch hier Feedbackbögen ausgegeben und ausgewertet. Daraus wurde bisher durchgängig ersichtlich, dass die Qualität der Seminare überzeugt hat. Dafür mag auch sprechen, dass mehrere Einrichtungen uns inzwischen Folgeaufträge für weitere Inhouse-Fortbildungen erteilt haben.
2.9 Fazit
Die Jahre 2005-2007 waren für den Fachverband erneut ausgesprochen veranstaltungsreiche Jahre. Es wurde ein breites Themenspektrum bedient. Wir können insgesamt ein hohes Interesse an unseren Veranstaltungen konstatieren, die Realisierungsquote bei den Veranstaltungen ist nach wie vor gut.
Die bereits in den letzten Jahren forcierte Strategie, im Veranstaltungsprogramm eine ausgewogene Mischung sowohl fachpolitisch ausgerichteter Veranstaltungen (wie ExpertInnentagungen, Bundestagungen, Kongresse) als auch Fortbildungsveranstaltungen aufzunehmen und also unterschiedliche Veranstaltungsformate zu nutzen, bewährt sich als Möglichkeit, den o.g. Zielen entsprechen zu können und soll deshalb fortgesetzt werden.
Während die Bundestagungen dem Bedürfnis sowohl nach lebendigem arbeitsfeldspezifischen Austausch als auch nach neuen fachlichen Impulsen Rechnung trugen, boten ExpertInnentagungen mit ausgewähltem exklusiven TeilnehmerInnenkreis eine Plattform für intensiven fachwissenschaftlichen oder fachpolitischen Diskurs – nicht zuletzt mit dem Ziel, für die weitere inhaltliche Arbeit der IGfH Themen zu generieren.
Insbesondere die arbeitsfeldbezogenen Tagungen, die stark basisorientiert und mit hohem Praxisbezug angelegt sind, stoßen immer wieder auf hohes Interesse bei einem breiten Publikum und werden stark mit der IGfH identifiziert. Gleichzeitig werden durch diese Art von Tagungen viele TeilnehmerInnen überhaupt erstmalig auf die IGfH aufmerksam und zum Teil auch als neue Mitglieder für den Fachverband gewonnen.
Um weiterhin zeitnah auf aktuelle fachliche und fachpolitische Entwicklungen reagieren zu können, sollen auch so genannte Ad-hoc-Tagungen, die vor allem Informationscharakter haben werden, ein Angebot der IGfH bleiben. Dafür müssen zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen in der Jahresplanung freigehalten werden.
Erneut gut gelungen ist die Vernetzung der Veranstaltungsangebote mit den Ergebnissen weiterer Aktivitäten des Fachverbandes wie Publikationen und Projekten. Durch diese Verzahnung wird eine inhaltliche Profilierung des Fachverbandes unterstützt und auch nach außen transportiert.
Grundsätzlich bedarf es einer sorgfältigen Auswahl von Fragestellungen und Themen, die zum einen für MitarbeiterInnen verschiedenster Praxisebenen der Erziehungshilfen relevant sind und zum anderen mit den fachpolitischen Interessen der IGfH und ihrer Mitglieder in Zusammenhang zu bringen sein müssen.
Fortbildungsangebote der IGfH genießen bei Fachkräften, welche die IGfH mittelbar (z. B. durch die Erfahrungsberichte von teilnehmenden KollegInnen) oder unmittelbar als Fortbildungsanbieter kennen gelernt haben, einen guten Ruf. Einige IGfH-Mitgliedseinrichtungen schicken regelmäßig ihre MitarbeiterInnen zu unseren Seminaren und Fortbildungsreihen.
Deutlich wird am Nachfrageverhalten, dass insbesondere die längerfristigen Qualifizierungen an Attraktivität für die Fachkräfte gewinnen. Hier scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass der Kompetenzgewinn bei solchen mehrteiligen Fortbildungen, die viel unmittelbarer den Theorie-Praxis-Transfer fördern und eine begleitete Praxisreflexion ermöglichen, deutlich höher ist als bei einteiligen Fortbildungen.
Die Auswertung der Evaluationsbögen der Fortbildungen zeigt, dass die TeilnehmerInnen mit den Angeboten der IGfH in der Regel sehr zufrieden waren.
Die Fülle der geplanten, organisierten und durchgeführten Veranstaltungen hat die personellen Ressourcen sowohl der dafür verantwortlichen GeschäftsstellenmitarbeiterInnen als auch der oft mehrfach engagierten ehrenamtlich Aktiven des Verbandes erneut vollständig ausgelastet. Zahlreiche Aktivitäten der IGfH im Veranstaltungsbereich, dies wollen wir immer wieder betonen, wären ohne das ehrenamtliche Engagement aktiver Mitglieder undenkbar.
3. Projekte
Die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen verfolgt ihre satzungsgemäßen Ziele neben der Ausrichtung von Fort- und Weiterbildungen, der Ausrichtung von Fachtagungen und ExpertInnengespräche sowie Publikationen und Beratung auch durch praxisnahe Modellversuche.
Hier geht es insbesondere um Hilfeleistung bei der Lösung praktischer Probleme der erzieherischen Hilfen und Förderung von Modelleinrichtungen, die experimentellen Charakter
haben, sowie um die Mitarbeit an der Entwicklung vorbeugender Jugendhilfe, auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung eines in sich geschlossenen Kinder- und Jugendrechts. Nicht zuletzt zielen die modellhaften Erprobungen und daraus hervorgehenden Produkte auf die öffentliche Meinung mit dem Zweck, die Bedeutung der erzieherischen Hilfen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das öffentliche Bewusstsein zu heben und die Vernachlässigung der erzieherischen Hilfen in Ursache und Auswirkung aufzuzeigen. In modellhaften Erprobungen zu Praxisfragen der Jugendhilfe oder genauer im Kontext der Erziehungshilfen zeigt sich, ob fachliche Überzeugungen zu bundesweit interessierenden Fragestellungen auch in der Praxis tragfähig sind. Zu diesem Zweck werden Modelle und die Erkenntnisse in den Fachdiskurs eingespeist. Kritische Punkte, die bei der Umsetzung der Konzepte in Praxiserprobungs- und Entwicklungsmodellen offenbar werden (seien sie fachlicher, fiskalischer oder rechtlicher Natur) können genauer erfasst und erkannt, kurz: empirisch überprüft werden.
Die IGfH hat im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 mit unterschiedlichen PartnerInnen neun Modellvorhaben umgesetzt, einige abgeschlossen und hat an weiteren Projekten bzw. Vorhaben in Vorbereitung gearbeitet. Den Schwerpunkt der Aktivitäten bildeten Projekte, die mit Kinderrechten und Beteiligung von Familien zu tun haben (Beteiligung in der Heimerziehung, Familiengruppenkonferenzen (Family Group Conferences), Vormundschaft). Diese Projekte und modellhaften Erprobungen sind zum Teil zeitlich eng begrenzt (Fotokalender mit Heimjugendlichen oder jugendgerechte Informationsbroschüre zur Vormundschaft), andere sind - mit Projektstellen ausgestattet - auf mehrere Jahre ausgelegt (Sozialpäd. Diagnosen mit Familien, Beteiligung in der Heimerziehung, Family Group Conferences, Grenzüberschreitende Fallarbeit). Eine Modellversuche haben einen Praxisforschungscharakter (Family Group Conferences, Grenzüberschreitende Fallarbeit, Familiendiagnosen, Beteiligung in der Heimerziehung, Expertise Kindesschutz und Migration), andere sind reine Praxisbeförderungsprojekte. Zwei Projekte wurden zu Beginn 2005 schon abgeschlossen (Broschüre Drogen in der Jugendhilfe, Familiendiagnosen), andere Projekte laufen noch bis 2008 (Familiengruppenkonferenzen, Beteiligung in der Heimerziehung). Im Bereich der internationalen Arbeit konnte ein Modellprojekt angestossen werden, dass eine Handreichung und eine Expertise zur Grenzüberschreitende Fallarbeit in der Jugendhilfe erarbeitete. Diese Vorarbeiten werden 2008 in ein beantragtes Projekt zum Thema „Migrationssensibles Handeln im Kindesschutz“ eingebracht.
Im Einzelnen ist über folgende Projekte zu berichten:
1. Forschungsprojekt:
Familien in der Jugendhilfe – Sozialpädagogische Diagnosen familiärer Notlagen und Hilfekonzepte (abgeschlossen 2005)
Das Forschungsprojekt „Familien in der Jugendhilfe - Sozialpädagogische Diagnosen familiärer Notlagen und Hilfekonzepte“ wurde vom 01.09.2002 bis zum 28.02.2005 vom Fachbereich IV der Universität Kassel und der Internationalen Gesellschaft für Erzieherische Hilfen (IGfH) durchgeführt und von der Deutschen Jugendmarke finanziert. Projektkoordinator und –durchführender war Prof. Dr. Uwe Uhlendorff (Universität Kassel, jetzt Universität Dortmund). Weitere Kooperationspartner, die an der Durchführung der Untersuchung beteiligt wurden, waren die Universität Osnabrück (Prof. Dr. Klaus Münstermann), die Alida-Schmidt-Stiftung in Hamburg und das Brandenburgische Familieninstitut in Potsdam. Prof. Dr. Klaus Wolf (Universität Siegen) und Prof. Dr. Werner Freigang (FH Neubrandenburg) haben das Projekt im Sinne eines wissenschaftlichen Beirats kritisch begleitet. An der Durchführung waren verschiedene öffentliche und private Träger beteiligt.
Von der Konzeption her zielte das Projekt darauf ab, anhand einer Stichprobe von Familien, die Hilfen zur Erziehung beanspruchen, Problemtypen familiärer Belastungssituationen sowie erzieherischer Notlagen zu eruieren und auf sozialpädagogische Aufgabenstellungen zu beziehen. Gleichzeitig sollten Hypothesen entwickelt werden, inwiefern die bestehenden Angebote der Jugendhilfe diesen Problemtypen gerecht werden und in welcher Hinsicht sie verbessert werden müssten. Insbesondere diente das Projekt dazu, Grundlagen für eine sozialpädagogische „Familiendiagnostik“ in der Jugendhilfe zu schaffen, um die Hilfeplanung zu verbessern
Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt, das die IGfH gemeinsam mit der Universität Kassel verantwortete, müssen unter der Frage betrachtet werden, inwieweit sie eine Hilfe für die Reduzierung von Aufmerksamkeitsdefiziten der Jugendhilfe im Umgang mit belasteten Familien darstellen und inwieweit es gelingt, die Forschungsergebnisse in kooperative Verfahren zwischen Hilfe suchenden Familien, freien und öffentlichen Trägern „zu übersetzen“, ohne dass vorschnelle Klassifikationen von familialen Bewältigungsstrategien entstehen. Der Bericht der wissenschaftlichen Forschungsgruppe wurde auf den Web-Seiten der IGFH und in Form einer Publikation des JUVENTA-Verlages (Uwe Uhlendorff/ Stephan Cinkl/ Thomas Marthaler: Sozialpädagogische Familiendiagnosen – Deutungsmuster familiärer Belastungsdiagnosen und erzieherischer Notlagen in der Jugendhilfe, Weinheim 2006) veröffentlicht sowie auf einer ExpertInnentagung 2005 mit der externer Fachöffentlichkeit diskutiert.
2. Handreichung:
Drogen in der Jugendhilfe. Rechtliche Aspekte und Fragen aus der Praxis (gemeinsam mit EREV und FDR – abgeschlossen in 2005)
Schon seit den 80er Jahren beschäftigen sich der Evangelische Erziehungsverband (EREV) und die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) mit der Diskussion um Drogen in der Jugendhilfe. Beide Verbände gründeten eigene Facharbeitsgruppen, führten und führen Tagungen und Fortbildungen zu diesem Themenkomplex durch. 1992 beauftragte der EREV Prof. Dr. J. Münder damit, sich grundsätzlich mit den rechtlichen Aspekten des jugendlichen Drogenkonsums im Kontext der pädagogischen Arbeit in Einrichtungen der Jugendhilfe zu beschäftigen. 1993 wurde diese rechtliche Einschätzung, die mit der Perspektive auf die pädagogischen Fachkräfte geschrieben wurde, in einer EREV-Schriftenreihe veröffentlicht und fand großen Zuspruch.
Der vom Fachverband Drogen und Rauschmittel (FDR) und der IGfH gemeinsam getragene Arbeitskreis regte 2004 in Gesprächen mit dem EREV an, gemeinsam eine vollständige Überarbeitung der Handreichung zu rechtlichen Aspekten durch Prof. Dr. Johannes Münder erarbeiten zu lassen, da die Darstellungen keineswegs mehr aktuell waren.Vor allem vor dem Hintergrund einer bundesweiten Kurzbefragung der Fachgruppe Drogen der IGfH griff eine gemeinsame Redaktionsgruppe zusätzlich einige sich aus der pädagogischen Praxis ergebenden Fragestellungen auf. Die zu erarbeitende Veröffentlichung sollte dabei ihren Schwerpunkt auf die illegalen psychoaktiven Substanzen legen.
Ergänzungen, Aktualisierungen und Neuaufnahmen beziehen sich in der Publikation beispielsweise auf Datenschutzbestimmungen und aktuelle Rechtssprechungen zur Garantenstellung als auch auf Änderungen des Betäubungsmittelgesetzes, Aspekte der offenen Drogenarbeit sowie auf Möglichkeiten des Absehens von Strafverfolgung.
Wichtig war es für die Redaktionsgruppe, dass zwischen der Perspektive der Jugendlichen, der MitarbeiterInnen und der Einrichtungen bzw. ihrer Leitungen unterschieden wird. So sollen in dem zweiten Praxisteil Fragen von Jugendlichen aufgegriffen wie: Ist die Einnahme von verbotenen Drogen in gewissen Mengen doch erlaubt? Darf die Einrichtung meine Drogen einziehen? Wenn ich mich den PädagogInnen offenbare, muss er oder sie meine Eltern oder das Jugendamt oder die Polizei informieren? Oder die PädagogInnen fragen (sich): Müssen verbotene Drogen vernichtet oder zur Polizei gebracht werden? Muss ich beim festgestellten Konsum illegaler Drogen immer sofort eine Anzeige erstatten? Kann ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin strafrechtlich verfolgt werden, wenn er oder sie von einem Konsum verbotener Drogen weiß, ohne es zu melden?
Solche Fragen bearbeiten der Praxisteil und die rechtlichen Darstellungen von Prof. Münder. Die Ausführungen werden eingebettet in einen Überblick über den gesamten Bereich der rechtlichen Regelungen bei Betäubungsmitteln. Erst vor diesem Hintergrund ließen sich Fragen, wie sie im Alltag der Erziehungsarbeit in Einrichtungen gestellt werden, hinreichend bearbeiten. Die Projektarbeit wurde 2005 niedergelegt in der Broschüre „EREV/IGfH (Hg.): Drogen in der Jugendhilfe. Rechtliche Aspekte und Fragen aus der Praxis“.
3. Projekt zur Erarbeitung einer jugendgerechten Broschüre:
Informationen für Kinder, Jugendliche, Familien und Fachkräfte zur Vormundschaft/Pflegschaft (gemeinsam mit FH Münster und Deutschem Institut für Jugendhilfe und Familienrecht; gefördert vom BMFSFJ) (Beginn 2005, Abschluss 2006)
Durch die Art der vormundschaftlichen Aufgaben einerseits sowie die enge Verbindung zwischen Vormundschaft/Pflegschaft und den Hilfen zur Erziehung andererseits wird deutlich, dass der Vormund überall dort, wo Minderjährige in Hilfen zur Erziehung leben, einen entscheidenden Einfluss auf deren Leben hat und damit gleichzeitig zu einem zentralen Akteur bei der Planung und Ausgestaltung von Hilfen wird. Dem widerspricht jedoch, dass in der Praxis der Hilfeplangestaltung der Vormund häufig noch immer von Entscheidungen – für deren erfolgreiche Umsetzung er letztlich die Verantwortung trägt – ausgeklammert bleibt oder nur marginal daran beteiligt wird, indem er sie nur noch formal nachvollzieht.
Ein wesentlicher Grund hierfür ist sicherlich das noch immer überwiegend verwaltungsgeprägte Selbst- und Rollenbild der Vormünder. Gerade hier ist jedoch in den letzten Jahren ein günstiges „Reformklima“ entstanden, wie nicht zuletzt die vielfältigen und kontroversen Diskussionen innerhalb der Vormundschaft selbst zeigen. Ein weiterer wichtiger Grund dürfte aber gleichermaßen das fehlende Wissen über die Rolle und Bedeutung des Vormunds sowie die fehlenden Informationen über dessen Handlungs- und Einflussmöglichkeiten bei den anderen Beteiligten sein. Wenn bei den übrigen Beteiligten (d.h. den Mündeln selbst, deren Eltern sowie den Fachkräften der Sozialen Arbeit) das Wissen darüber fehlt, in welcher Art und Weise der Vormund nach dem Gesetz in Hilfeentscheidungen eingebunden ist, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass dessen Beteiligung in der Praxis eingefordert wird.
Je mehr Informationen über Rolle und Bedeutung des Vormunds bei allen Beteiligten vorhanden sind, je höher damit die Wahrscheinlichkeit, dass er in seiner Funktion angefragt wird, desto geringer ist die Möglichkeit seitens der Vormünder, sich diesen Anforderungen zu entziehen. Mehr Information und Fortbildung für die Amtsvormünder erscheinen allerdings keineswegs hinreichend zu sein, wichtig wäre es vielmehr vor allem die betroffenen Kinder und Jugendlichen mit altersgerechten Informationen zur Vormundschaft bzw. zur Pflegschaft auszustatten. Aus diesem Grunde war das Projekt darauf ausgelegt, den anderen am Hilfeplangeschehen Beteiligten Informationen über Rolle und Funktion der Vormundschaft zur Verfügung zu stellen und diese umfassend zu verbreiten, um so dem aktuell noch bestehenden Informationsdefizit über die Bedeutung der Vormundschaft zu begegnen. Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam von IGfH und DIJuF ein kurzfristiger Unterstützungsantrag an das BMFSFJ zur finanziellen Unterstützung einer solchen Broschüre auf den Weg gebracht und auch genehmigt. Mitwirkende an dem Projekt waren: Prof. Dr. Peter Hansbauer (FH Münster), Dr. Thomas Meysen, Henriette Katzenstein (DIJuF); Josef Koch, Xenia Spernau (IGfH)
Die erstellte Informationsbroschüre bietet den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern ebenso wie den Fachkräften der Sozialen Arbeit – sowohl in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung als auch in den Jugendämtern – in sehr verständlicher Form einen ersten Überblick über die Grundlagen der Vormundschaft. Die Broschüre wurde kostenlos den Landesjugendämtern, zahlreichen Jugendämtern und freien Trägern mit einer Startauflage von 15.000 Exemplaren zur Verfügung gestellt. Seit Ende Februar 2006 stehen die Informationen der Broschüre auch auf der Homepage www.dein-vormund.de in mehreren Sprachen zur Verfügung. Nachdem die erste Auflage innerhalb weniger Wochen vergriffen war, konnten 2006 mit erneuter Unterstützung des BMFSFJ noch einmal 12.000 Exemplare nachgedruckt werden.
4. Projekt IGfH – Fotokalender 2008
„Heimerziehung – Aus der Sicht von Jugendlichen“
Die IGfH hat 2006 bis 2007 in Kooperation mit der Fachgruppe Heimerziehung der IGfH und drei Heimeinrichtungen sowie zwölf Jugendlichen begonnen, einen Kalender für das Jahr 2008 zu erstellen. Leitthema des Kalenders ist „Heimerziehung – Aus der Sicht von Jugendlichen“.
Im Rahmen des Projektes wurde es Kindern und Jugendlichen, die in stationärer Erziehungshilfe untergebracht sind, ermöglicht, „ihre“ Sicht auf die für sie biografisch wichtige Zeit zu artikulieren. Die individuellen Perspektiven auf (die) Heimerziehung(-szeit) sollten deutlich gemacht und für interessierte (Fach-)Öffentlichkeit zugänglich und erfahrbar gemacht werden. Der individuellen Sicht der Jugendlichen auf diese biografisch wichtige Zeit wird so seitens der IGfH besondere Wertschätzung entgegen gebracht. Die Jugendlichen haben durch das Projekt die Möglichkeit, ihr Bild von Heimerziehung in der Öffentlichkeit aus ihrer Sicht zu präsentieren.
Zur Erreichung dieser Ziele bietet sich eine künstlerische Ausdrucksform an: Fotografie ist ein bekannte und bewährte Möglichkeit an solchen Themen partizipativ zu arbeiten. Um die Fotos in der Folge angemessen präsentieren zu können, wurde die Idee der Produktion eines Kalenders entwickelt.
Der gesamte Erstellungsprozess wurde unter Beteiligung eines Fotografen in Form von zwei Workshops partizipativ angelegt. D.h. die Jugendlichen erarbeiten gemeinsam das endgültige Thema, sie erarbeiten ebenfalls die Leitlinien der Gestaltung. Die beteiligten Fachkräfte sicherten die Rahmenbedingungen und unterstützen lediglich. Insgesamt haben im Berichtszeitraum zwei Workshops mit Jugendlichen stattgefunden. Teilgenommen an dem Projekt haben 12 Jugendliche zwischen 8 – 17 Jahren aus stationären Heimeinrichtungen in Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Für die künstlerische Begleitung konnte der Fotograf Göran Gnaudschun – Meisterschüler von Timm Rautert, Abschluss an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig – gewonnen werden. Die Gestaltung des Kalenders wurde von einem professionellen Medienbüro übernommen. Der Kalender wurde in einer Auflage von 1500 Stück bundesweit vertrieben. Der Kalender, der sich auf das Jahr 2008 bezieht, war ab Mai 2007 bei der Geschäftsstelle verfügbar.
5. Praxis- und Forschungsprojekt:
Projekt „Beteiligung - Qualitätsstandard für Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung (mit Fachhochschule Landshut und SPI im SOS-Kinderdorfverein im Rahmen der internationalen Initiative Quality4Children) – 2005 bis 2006
Das Projekt wurde von SOS-Kinderdorf e.V. und der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V. (IGfH) initiiert. Mit der Fachhochschule Landshut/University of Applied Sciences wurde ein geeigneter Partner für die Durchführung gefunden. Der Fachbereich Soziale Arbeit führte das mit einer Laufzeit von gut einem Jahr abgeschlossene Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Mechthild Wolff durch. Ziel des Projekts war es, die Qualität von Beteiligung in der Heimerziehung aus der Perspektive der NutzerInnen zu definieren und mit Jugendlichen gemeinsam zu erarbeiten, was aus ihrer Sicht gelingende Beteiligung in der Praxis der Heimerziehung ausmacht.
Zunächst wurde im Rahmen des Projektes eine Literaturrecherche durchgeführt, in der die verschiedenen Beteiligungsdiskurse im deutschen Erziehungs- und Bildungswesen auf ihre blinden Flecken hin untersucht wurden. Die systematisierte Bibliographie können Sie herunterladen unter http://people.fh-landshut.de/~hartig/ergebnisse/index.html
Ergebnis war, dass der Beteiligung grundsätzlich eine große Aufmerksamkeit geschenkt wird und von vielen Erwachsenen als Leitidee akzeptiert wird, aber in der Umsetzung im Alltag mit Kindern und Jugendlichen ein erheblicher Entwicklungsbedarf existiert. Die Recherche ergab zudem, dass wenig empirische Erkenntnisse über die Umsetzung von Beteiligung in der Heimerziehung vorliegen, dass es wenig „best practice-Beispiele“ von gelingender Beteiligung im Heimalltag gibt und dass die Sichtweise der Jugendlichen und deren Definitionen von guter Beteiligung wenig bis gar nicht vorkamen.
Um im weiteren die subjektiven Sichtweisen der Jugendlichen zum Thema zu erfassen, führte die Projektgruppe einen Wochenendworkshop mit 15 Jugendlichen aus sechs deutschen Heimen durch, die wir als „good practice-Einrichtungen“ im Sinne der Beteiligung recherchiert und ausgewählt hatten. Eine Kurzdarstellung der Workshops finden Sie unter:
http://people.fh-landshut.de/~hartig/jugendseite/workshop/
Mit den 15 Jugendlichen führten wir Brainstormings mit anschließenden Clusterbildungs- und Ranking-Phasen sowie Gruppendiskussionen durch. Zudem produzierten die Jugendlichen eigene Videofilme zum Thema Beteiligung und andere kreative Visualisierungen ihrer Diskussionsergebnisse. In der Arbeit mit den Jugendlichen wurde sehr deutlich, dass sich die Vorstellungen von Jugendlichen sehr stark auf ihr Alltagsempfinden und -erleben bezogen. Beteiligung war für sie insbesondere eine Frage der Haltung, der Persönlichkeit und damit auch der Eignung von Professionellen. Der gesamten Prozessverlauf und die Ergebnisse und Erkenntnisse wurden in einem Abschlussbericht zusammengestellt:
http://people.fh-landshut.de/~hartig/ergebnisse/index.html
Auf der Grundlage unserer Workshopergebnisse mit Jugendlichen sowie mit Fachkräften aus den sechs beteiligten Heim, unserer Literaturrecherchen sowie der Auseinandersetzung mit Beteiligungsmodellen und -projekten in Deutschland wurden Empfehlungen zur Beteiligungsförderung von Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung entwickelt http://people.fh-landshut.de/~hartig/ergebnisse/Q4C_Empfehlungen_dt-engl.pdf
Diese Empfehlungen wurden auch in das europäische Netzwerk „Quality4Children“ eingespeist. In diesem Netzwerk geht es um die Entwicklung von Qualitätsstandards in der Betreuung von fremd untergebrachten Kindern. Zu diesem europäischen Projekt finden Sie Informationen unter: http://www.quality4children.info
6. Praxisforschungprojekt:
„Gelingende Beteiligung im Heim“
Mit Fachhochschule Landshut und SOS-Kinderdörfer/ SPI (ab 1.08.2006 bis 31.07.2008)
Das Modellprojekt „Gelingende Beteiligung im Heim“ ist federführend von der Fachhochschule Landshut und SOS-Kinderdörfer unter Beratung/ Mitwirkung der IGfH seit Sommer 2006 aus dem obigen Vorläuferprojekt erwachsen. Es wird auch von der Stiftung Jugendmarke und SOS-Kinderdörfer finanziell gestützt. Es geht davon aus, dass gelingende Beispiele für Beteiligung in der Heimerziehung und anderen Wohnformen und die Veröffentlichung von Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen einer öffentlichen Plattform bedürfen. Darüber hinaus setzt sich das Projekt für die Sammlung anschaulicher pädagogischer Materialien und Handreichungen ein. Das Projekt verfolgt zusammenfassend drei Ziele:
Repräsentative Befragung
Ziel dieses empirischen Teils ist es, repräsentative Erkenntnisse über den Bedarf der NutzerInnen von stationärer Erziehungshilfe im Hinblick auf eine gelingende Beteiligung im Alltag zu erhalten. Durch ein solches Verfahren werden von Jugendlichen autorisierte Erkenntnisse über Handlungserfordernisse in Bezug auf den Ausbau von Beteiligungschancen von Jugendlichen für die Fachdiskussion gewonnen (Durchführung durch IPP München und SPI München).
Auf dieser Grundlage von Jugendworkshops wurde
ExpertInnenhearing mit Jugendlichen
Ziel dieses fachpolitischen Teils ist es, eine Diskussionsplattform für die Organisationen und Personen bereitzustellen, die an der Umsetzung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der stationären Erziehungshilfe arbeiten. Eine solche nationale Diskussionsplattform könnte auch die Funktion übernehmen, einen nationalen Beitrag zur Entwicklung internationaler Standards in der Betreuung von fremd untergebrachten Kindern und Jugendlichen zu autorisieren.
In einem ExpertInnenhearing, zu dem FachverbandsvertreterInnen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, aus den Landesjugendämtern, aus der Wissenschaft und Forschung sowie Jugendliche aus stationären Betreuungsformen eingeladen wurden, konnten konkrete Strategien und Maßnahmen zur Verbesserung von nutzerorientierten Beteiligungsmöglichkeiten in stationären Wohnformen erarbeitet werden. 2008 ist eine gemeinsame Tagung aller Erziehungshilfeverbände zum Thema angedacht.
Erstellung eines Werk- und Handbuch mit Praxismaterialien
Ziel dieser Maßnahme ist es, Methoden für die Umsetzung und die Weiterentwicklung in der Praxis der stationären Erziehungshilfe zur Verfügung zu stellen. Das Werkbuch wird sich an die Zielgruppen Jugendliche in stationären Wohnformen und ihre BetreuerInnen richten. In einer Mischung aus Informationen zum Thema Beteiligung in Wohngruppen, Projektbeispielen aus Einrichtungen, Interaktionsspielen, Übungen, Geschichten und Befragungsinstrumenten für Jugendliche werden diesen Zielgruppen Arbeitsmaterialien zur konkreten Umsetzung zur Verfügung gestellt. Das Werkbuch kann für längerfristige Projektarbeit, aber auch für kurzfristig angelegte Diskussionsrunden genutzt werden. Das Werkbuch wird in einem jugendgerechten Design und in einer auf kreative Umsetzung angelegten Aufmachung (Cartoons, Fotos, etc.) erstellt, um Jugendliche und MitarbeiterInnen zur Nutzung zu animieren.
Im Rahmen des Projektes wurde im Frühjahr 2007 eine eigene Homepage (www.dieBeteiligung.de) eingerichtet, die mittlerweile eine vielbesuchte Plattform darstellt.
7. Praxisentwicklungs- und Forschungsprojekt:
Implementation und Evaluation von „Family-Group-Conference (FGC)“ – Konzepten Ein Instrument zur Förderung von mehr Partizipation und Gemeinwesenorientierung bei der Planung von Hilfen? (April 2006 bis September 2008)
Modellprojekt der IGfH in Kooperation mit der FH Münster und den Landesjugendämtern Westfalen-Lippe sowie Rheinland)
Um der im Zusammenhang mit der Hilfeplanung oft bemängelten „ExpertInnenlastigkeit“ strukturell zu begegnen, wird seit einigen Jahren in anderen OECD-Ländern – in denen sich die eben geschilderten Probleme vergleichbar stellen – verstärkt mit Konzepten experimentiert und operiert, die Adressaten bzw. ihre Familien nicht nur an Hilfeentscheidungen zu beteiligen, sondern sie selbst zu Entscheidungsträgern zu machen und so deren Problemlösekapazitäten effektiv zu nutzen. Im angelsächsischen Sprachraum firmieren solche Konzepte unter dem Begriff der „family group conference“ (FGC). Obwohl das Konzept mittlerweile über Neuseeland hinaus in Kanada, Australien, USA und zunehmend auch in verschiedenen europäischen Ländern (Ungarn, Niederlande, Finnland, Schweden etc.) Verbreitung gefunden hat, wird dies in der deutschen Jugendhilfe – sieht man von einigen wenigen Ausnahmen ab – bislang kaum zur Kenntnis genommen.
FGC-Konzepte zielen darauf, AdressatInnen bzw. ihre Familien, über die Beteiligung an Hilfeentscheidungen hinaus selbst zu Entscheidungsträgern zu machen und so ihre eigenen Problemlösungskapazitäten effektiv zu nutzen. Vor dem Hintergrund dieser zentralen Gedanken werden drei Ziele mit dem FGC-Verfahren verfolgt:
Diese Ziele werden durch bindende Arbeitsprinzipien sowie klar geregelte Aufgaben- und Ablaufregelungen zu erreichen versucht: Partizipation wird gesichert, indem das Verfahren einen „profifreien“ Raum vorsieht, in dem mögliche Lösungen erst einmal von der Familie selbst (und von Menschen aus ihrem Netzwerk) überlegt und beraten werden können. Ressourcen werden mobilisiert, indem in Absprache mit der Familie Verwandte, Freunde oder andere bedeutsame Menschen aus der Lebenswelt der Familie an Beratung und Entscheidung beteiligt werden. Aushandlung wird ermöglicht, indem die Leitung des Verfahrens ein/e neutrale/r Moderator/in übernimmt. Sie/Er hat die Verantwortung für das Verfahren, nicht aber für mögliche Lösungen. Wird aus Sicht der fallzuständigen Fachkräfte ein junger Mensch einem unverantwortlichen Risiko ausgesetzt oder erscheinen die entwickelten Lösungen zu unsicher, existiert ein so genanntes „Veto-Recht“. Die fallzuständige Fachkraft kann so "Nein" zu vorgeschlagenen Lösungen sagen.
Der konkrete Ablauf einer FGC-Konferenz lässt sich grob in vier Phasen untergliedern: In der Vorbereitungsphase erhält die Familie Information über das Verfahren und organisiert der/die ModeratorIn in Abstimmung mit den AdressatInnen die FGC (Festlegung des Teilnehmerkreises, Ortes und Termins). In der Beratungsphase - der Beginn der eigentlichen Konferenz - werden für alle Beteiligten die Einschätzungen zur Problemsituation und die Ziele der FGC zusammengefasst, Informationen zur rechtlichen Situation und zu möglichen professionellen Unterstützungsmöglichkeiten gegeben sowie der „Auftrag“ und Regeln für die anschließenden Phasen festgelegt. In der Diskussionsphase verständigt sich die „erweiterte“ Familie über mögliche Lösungen und erstellt einen Plan über das weitere Vorgehen. In der Entscheidungsphase findet eine moderierte Präsentation und Abstimmung des Hilfeplans bzw. der Vereinbarungen und die Überprüfung mit der zuständigen Fachkraft statt. In der Regel werden nach ca. drei Monaten die getroffenen Vereinbarungen von der Familiengruppe unter Beteiligung der zuständigen Fachkraft und mit Unterstützung der/des Moderatorin/s in einem „Follow-up“ überprüft.
Das übergreifende Ziel des vorliegenden Modellprojektes besteht darin, an der exemplarischen Implementation in fünf Jugendämtern und der Evaluation der Umsetzungsprozesse die Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen das FGC-Verfahren breiter als bisher in der deutschen Jugendhilfe umgesetzt werden kann.
Die IGfH verantwortet als Träger des Modellprojektes dessen Durchführung. Das Projekt wird von Prof. Dr. Peter Hansbauer geleitet (ProjektleiterInnen: Martina Kriener bis 2007, Gregor Hensen). Die wissenschaftliche Begleitung hat die Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen (Leitung: Hiltrud von Spiegel; Mitarbeiterin: Katja Müller) übernommen. Die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) führt das Projekt gemeinsam mit der Fachhochschule Münster und in Kooperation mit den Jugendämtern Kreis Herford, Stadt Mülheim, Stadt Viersen, Kreis Kassel und Kreis Waldeck- Frankenberg durch. Das Modellprojekt wird durch die Stiftung Deutsche Jugendmarke gefördert. Die Landesjugendämter Westfalen-Lippe und Rheinland sowie das hessische Sozialministerium haben die Gewinnung der kommunalen Jugendämter unterstützt und begleiten im Projektbeirat das Projekt weiterhin fachlich.
In jedem der fünf beteiligten Jugendämter sollen eine bestimmte Mindestanzahl von Familiengruppenkonferenzen umgesetzt werden. Die kommunale Umsetzung des Projektes wird vor Ort begleitet durch jeweils eine/n Projektkoordinator/in, i.d.R. zwei ModeratorInnen sowie einer Projektgruppe, in der neben den letzt genannten weitere KollegInnen aus den Jugendämtern mitwirken.
8. Praxis- und Forschungsprojekt:
Grenzüberschreitende Fallarbeit in der Jugendhilfe - Erfahrungen, Rechtsgrundlagen, Arbeitshilfen
Projekttitel: Internationaler Kinderschutz - Die Bedeutung der Verordnung Brüssel II a und des Haager Kinderschutzübereinkommens für die Jugendhilfe
15.02.2005 - 15.08.2006 (Wissenschaftliche Begleitung ISM Mainz)
Grundsätzlich sind Systeme staatlicher Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche an nationale Grenzen gebunden und reichen nicht über diese hinaus. Mit der fortschreitenden Globalisierung und damit verbundenen Migration der Menschen sind zunehmend Strukturen der Zusammenarbeit erforderlich, die einen Schutz von Kindern über Ländergrenzen hinweg sicherstellen bzw. überhaupt erst ermöglichen. Hierzu wurden verschiedene internationaler Rechtsgrundlagen erarbeitet. Diese bedienen sich zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zunehmend der Einrichtung Zentraler Behörden.
In der Praxis der Jugendhilfe sind diese Neuregelungen relevant, sobald die Fachkräfte mit familiären Konstellationen befasst sind, die ein internationales Element enthalten. Dies können Beteiligte mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten, in verschiedenen Ländern lebende Familienangehörige oder z.B. eine über Ländergrenzen hinweg zu organisierende Unterbringung eines Kindes sein, für die Verordnungen wie Brüssel II a ein durchstrukturiertes Verfahren mit Beteiligung der Landesjugendämter vorsieht.
In der Jugendhilfe besteht mit dem Inkrafttreten der Neuregelungen ein erheblicher Informationsbedarf an praxisnah aufbereiteten Informationen, sowohl im Hinblick auf den Inhalt und deren Bedeutung für die Praxis sowie auch hinsichtlich des Ineinandergreifens der verschiedenen internationalen Instrumente. Das Modellprojekt, welches von der Stiftung Jugendmarke gefördert und vom ISM in Mainz wissenschaftlich begleitet wurde, hatten deshalb folgende Ziele:
9. Projekt: Erstellung einer Expertise:
„Der Kinderschutz-Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe im Kontext von Migration und Mobilität“ (November bis Dezember 2006)
Diese Expertise wurde von der IGfH (Britta Sievers) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt. Die Erstellung geschah vor folgendem Hintergrund:
Die interkulturelle Öffnung wird inzwischen als Querschnittsaufgabe aller Dienste der Kinder- und Jugendhilfe gesehen. Im Zusammenhang mit der Einlösung des Kinderschutzauftrags bei allen von Gefährdungen betroffenen Kindern ergeben sich in diesem Kontext eine Reihe von Fragestellungen. Neben der Herausforderung für die Jugendhilfe, Zugangsbarrieren zwischen Migranten und sozialen Diensten zu überwinden, stellt sich auch die Frage, ob aufgrund unterschiedlicher Wertvorstellungen und / oder im Zusammenhang mit Assimilierungsprozessen sowie durch wanderungsbedingte Problemlagen in Familien mit Migrationshintergrund spezifische Gefährdungssituationen für Kinder und Jugendliche auftreten können. Wissen um diese Gefährdungslagen und die Möglichkeiten fachlich angemessenen Handelns sind erforderlich, um im Einzelfall gezielte Maßnahmen zum Schutz des Kindes einleiten zu können.
Im Hinblick auf die Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben ebenso wie der Empfehlungen und Forderungen der Kinder- und Jugendberichte werden in dieser Expertise zwei zentrale Fragestellungen untersucht: Zum einen wird die Umsetzung des Kinderschutzauftrags bei Familien mit Migrationshintergrund beleuchtet. Dazu wird herausgearbeitet, inwieweit typische Gefährdungssituationen im Zusammenhang mit Lebenslagen von Migrantinnen und Migranten existieren und welche besonderen Anforderungen sich beim Installieren von Schutz und Hilfe etwa angesichts kulturell unterschiedlicher Erziehungs- und Wertvorstellungen ergeben. Zum anderen wird die Umsetzung des Kinderschutzauftrages im Kontext von Mobilität betrachtet. Auch hier geht es darum, spezifische Gefährdungslagen im Zusammenhang mit einer grenzüberschreitenden Mobilität von Familien sowie Schwierigkeiten bei der Einleitung von Schutzmaßnahmen über Grenzen hinweg aufzuzeigen. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse werden dann Praxisentwicklungs- und Forschungsbedarfe formuliert.
Die Expertise stellt im Schlussteil konkrete Folgerungen für die Praxis, Forschung und Politik der Kinder- und Jugendhilfe vor. Sie ist auf den Seiten des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (http://www.bmfsfj.de) und über die IGfH abrufbar (http://www.igfh.de – unter Projekte).
4. Publikationen
Es ist eine wichtige Aufgabe eines Fachverbandes, sich auch am verschrifteten Fachdiskurs zu beteiligen. Ziel der Veröffentlichungen der IGfH ist es vorrangig, ihre Mitglieder und die interessierte Fachwelt aktuell, gut, breit und genau zu informieren, fachpolitische Standpunkte öffentlich zu machen und fachliche Diskussionen anzuregen bzw. dafür ein Forum zu bieten. Es geht darum, das fachliche Denken und Handeln zu qualifizieren.
Der Verband unterhält einen kleinen Eigenverlag, der pro Jahr im Durchschnitt drei bis fünf Bücher in zwei Buchreihen („Gelbe Reihe“, „Blaue Reihe“) verlegt. Diese Publikationsreihen erscheinen in Zusammenarbeit mit dem Regensburger Walhalla-Verlag.
Die „Gelbe Reihe“ hat eine Auflage von cirka 2.700 Exemplaren. Die „Blaue Reihe“, in der interessante Projektberichte und Expertisen u.a. erscheinen, hat eine Auflage von cirka 800 Exemplaren. Jedes Mitglied erhielt im Berichtszeitraum je einen Band aus der Gelben Reihe pro Jahr („Jahresgabe“). Im Berichtszeitraum erschienen drei Bücher in der Gelben Reihe, davon zwei Sammelbände, und vier Bücher in der Blauen Reihe. 2007 wurde das Layout und das Erscheinungsbild der Bände überarbeitet und modernisiert. Ergänzend wurde beschlossen ab 2008 eine Grüne Reihe mit Internationalen Schriften herauszugeben.
Im Berichtszeitraum 2005-2007 konnte überdies die von der IGfH herausgegebene und konzipierte Buchreihe „Basistexte Erziehungshilfen“, die auch im JUVENTA-Verlag erscheint, mit weiteren fünf Bänden zu einer echten Reihe (zur Zeit achtbändig) ausgebaut werden. Im Berichtszeitraum waren cirka 12.000 Bände aus der Reihe verkauft worden. Die Reihe soll kompakt, praxisnah und für Ausbildungszwecke geeignet über Arbeitsfelder, Probleme und Diskurse aus dem Bereich der Erziehungshilfen informieren. Auch hier erhalten Mitglieder der IGfH 20 % Rabatt auf alle Bände.
Die IGfH gibt auch die Fachzeitschrift „Forum Erziehungshilfen“ heraus, die im JUVENTA-Verlag mit einer Auflage von 2.700 Exemplaren insgesamt fünfzehn Mal zwischen 2005 und 2007 erschien. Auch die Zahl der freien AbonnentInnen stieg zwischen 2005 und 2007.
Weiterhin wurden im Eigenverlag und im JUVENTA-Verlag vier Bände aus Modellprojekten, an denen die IGfH beteiligt war, publiziert und zwei weitere Publikationen aus Fachtagungen traten hinzu.
Weiterhin veröffentlicht die IGfH Stellungnahmen und Positionspapiere. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden drei Broschüren entwickelt und publiziert, die vor allem darauf abzielen, Rechte von Kindern und Jugendlichen in den Erziehungshilfen (auch z.B. bezüglich der Vormundschaft) verständlich näherzubringen. Zum Teil wurden Auflagen von 15.000 Exemplaren hier erreicht (siehe genauer im Bericht).
Hinzu treten eine Reihe „grauer“ Materialien (z.B. eine jährliche Zeitschriftenbibliografie oder ein ausführlicher Jahresbericht). Eine weiterhin anwachsende Bedeutung als Medium zeitnaher Information erhält das Internet (Tagungstexte und Tagungsdokumentationen über die Homepage). Auch Projektberichte werden über das Internet oder als CD-ROM- Fassung erstellt und an alle Interessierten abgegeben.
Zusätzlich trat ab 2007 eine neue Online-Publikation, nämlich der Rundbrief Integrierte Erziehungshilfen (herausgegeben von der IGfH-Fachgruppe „Integrierte Erziehungshilfen“) hinzu.
Insgesamt war die IGfH in den Jahren 2005 bis 2007 durch die herausgebrachten 18 Bücher, drei Broschüren, 15 ForE Nummern sowie den Online-Veröffentlichungen und Expertisen für ihre Mitglieder und FachkollegInnen sowie für die interessierte Fachöffentlichkeit sehr präsent und hat eine Mischung zwischen Methodenbüchern, Grundsatzbänden und Forschungspublikationen hervorgebracht. Ohne die Unterstützung und Mitarbeit vieler in den Redaktionen für die einzelnen Bände – namentlich in der Redaktion der Zeitschrift Forum Erziehungshilfen und der Redaktion Basistexte Erziehungshilfen - wäre diese breite Präsenz nicht möglich! An dieser Stelle kann nur Dank und Anerkennung für diese Leistung ausgesprochen werden!
Ihre AnsprechpartnerInnen in der Geschäftsstelle für das Feld der Publikationen sind marina.groth@igfh.de (Publikationsverwaltung und -produktion) sowie für die inhaltliche Buchgestaltung gemeinsam mit den jeweiligen HerausgeberInnen josef.koch@igfh.de und xenia.spernau@igfh.de
4.1 Gelbe Schriftenreihe (Walhalla Fachverlag/ IGfH Eigenverlag)
Ziel der Reihe ist es, zentrale bzw. aktuell wichtige Themen des Fachdiskurses im Bereich der Hilfen zur Erziehung breit zu behandeln. Die Bände entstehen entweder aus Fachtagungen bzw. ExpertInnentagungen der IGfH oder werden langfristig mit hierfür gewonnenen Autoren oder Autorinnen konzeptioniert. Die Mitglieder beziehen die jährliche Publikation in dieser Reihe kostenlos. Der weitere Buchbestand wird auf Tagungen oder über den Buchhandel vertrieben.
Ziel der Veröffentlichungen der IGfH ist es vorrangig, ihre Mitglieder und die interessierte Fachwelt aktuell, gut, breit und genau zu informieren, fachpolitische Standpunkte öffentlich zu machen und fachliche Diskussionen anzuregen bzw. dafür ein Forum zu bieten mit dem Ziel, fachliches Denken und Handeln zu qualifizieren.
Im Rahmen der Gelben Schriftenreihe der IGfH kamen im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 die drei folgenden Bände heraus:
Mathias Schwabe: Methoden der Hilfeplanung – Zielentwicklung und Moderation, Frankfurt a.M. 2005, 428 Seiten, ISBN 3-925146-59-8
In dem Band werden Formen des Nachdenkens über Ziele erörtert sowie die drei Strukturelemente der Hilfeplanung – Hilfeform, Hilfekonzept, Hilfeplanziele – reflektiert. Versucht wird, die Anforderungen und Schwierigkeiten bei der Planung und der Durchführung von Hilfen systematisch zu beleuchten. Weiterhin geht es – vor allem auch methodisch gesehen – um die Zielentwicklung in der Hilfeplanung und um Zielentwicklungssysteme. Schließlich widmet sich die Publikation systematisch auch der Moderation im Hilfeplangespräch. Beiliegend zum Band findet sich eine Arbeits-CD mit zusätzlichen vertiefenden Texten und Fallbeispielen.
Nicole Knuth/ Josef Koch/ Dirk Nüsken/ Mechthild Wolff (Hrsg.):
Hinter’m Horizont geht’ s weiter … Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfe,
Frankfurt a.M. 2006, 380 Seiten, ISBN 3-925146-62-8
Aus der letzten Jahrestagung der IGfH in Dortmund und auf Anregung von weiteren Beteiligten werden in diesem Sammelband Beiträge und Überlegungen zu Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfe zusammengeführt. Der vorgelegte Sammelband zu den Perspektiven der Kinder- und Jugendhilfe zeigt, dass eine jammernde Rückschau auf „verlorene Schlachten“ der Vergangenheit weitgehend zu vermeiden und ein entschlossener und kämpferischer Blick auf die Zukunftsaufgaben der Jugendhilfe notwendig ist. Die Beiträge in diesem Buch machen deutlich, dass die Herausforderungen nicht einfach sein werden, aber dass sie auf eine engagierte und tatkräftige Jugendhilfe treffen, die sich ihrer Verantwortung und Verpflichtung „über den Horizont hinaus“ bewusst ist.
Charlotte Köttgen (Hrsg.):
Ausgegrenzt und mittendrin - Jugendliche zwischen Erziehung, Therapie und Strafe, Frankfurt a.M. 2007, 235 Seiten, ISBN 978-3-9251146-63-3
Schon 1998 versuchte der Band „Wenn alle Stricke reißen“ (Köttgen 1998) eine fach- und institutionenübergreifende Debatte jenseits von Jugendhilfe, Therapie, Psychiatrie und Justiz zu entfachen. Zehn Jahre später werden unter Rekurs auf die damals geführten Debatten im vorliegenden Sammelband Einzelfälle vorgestellt, die förderliche und auf der anderen Seite fehlgeleitete fachliche Grundsätze bei Hilfemaßnahmen und der Hilfeorganisation beschrieben. Dabei wird davon ausgegangen, dass das, was sich im Fallhandeln der Fachkräfte niederschlägt (Fallkonstruktion und -bewertung) auch in der Organisation des Hilfe- und Unterstützungssystems positiv wie negativ zu finden ist. Beide Aspekte werden folgerichtig in diesem Sammelband in ihren Zusammenhängen thematisiert. Deutlich wird der enge Zusammenhang zwischen Armut, sozialen Verhältnissen und seelisch-körperlicher Gesundheit.
4.2 Reihe „Erziehungshilfe-Dokumentationen“ (Blaue Reihe)
(Walhalla Fachverlag/ IGfH Eigenverlag)
Seit einigen Jahren werden in der „Blauen“ Schriftenreihe mit dem Reihentitel „Erziehungshilfe-Dokumentationen“ Titel verlegt, die Fachtagungen oder Projektaktivitäten dokumentieren. In der „kleinen“ IGfH-Buchreihe sollen Tagungs-Dokumentationen sowie Studien mit geringerer Auflage verlegt werden. In dieser Schriftenreihe erschienen zwischen 2005 und 2007 die vier folgenden Bände:
Alfred Marmann: Kleine Pädagogen: Leibliche Kinder in familiären Settings öffentlicher Ersatzerziehung, Frankfurt a.M. 2006, 204 Seiten, ISBN 978-3-925146-61-9
In dem Band werden Erzählungen von leiblichen Kindern, die in „familienähnlichen Betreuungsformen“ mit fremden Heranwachsenden aufgewachsen sind, analysiert und interpretiert. Neben den Strategien der Kinder und Jugendlichen im Umgang miteinander werden auch die Bedürfnisse leiblicher Kinder und ihre Artikulationsmöglichkeiten in den Blick gerückt. Die Publikation greift damit einen bisher vernachlässigten Aspekt in den Erziehungshilfen auf.
Matthias Hamberger/ Josef Koch/ Friedhelm Peters/ Rainer Treptow (Hrsg.): Children at risk – Kinder- und Jugendhilfe in Mittel- und Osteuropa, Frankfurt a.M. 2006, 168 Seiten, ISBN 978-3-925146-66-4
Mit der EU-Osterweiterung und dem Beitritt von zehn neuen Ländern aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa schreitet der europäische Einigungsprozess in einem schnellen Tempo voran und bestimmt in vielfältiger Weise die gesellschaftlichen Entwicklungen in den einzelnen Beitrittsländern. Wenig bekannt ist allerdings über die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme sowie der Kinder- und Jugendhilfe in den letzten 10 bis 15 Jahren in den neuen Beitrittsländern. Die vorliegende Dokumentation von Fachbeiträgen aus den neuen EU-Ländern und Deutschland entstand aus einem internationalen ExpertInnen-Treffen der IGFH und der Universität Tübingen und macht die Situation speziell der Erziehungshilfen in Polen, Estland, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Lettland nach den Transformationsprozessen in den 90er Jahren zum Thema. Grundlagen der Beiträge sind problembezogene Darstellungen der nationalen Hilfestrukturen und Versorgungssysteme für Kinder, Jugendliche und Familien. Ergänzend beigefügt ist der Veröffentlichung eine CD-Rom, auf der zahlreiche Originalvorträge ebenfalls in englischer Sprache nachzulesen sind.
Hiltrud von Spiegel, Peter Middendorf: Zielbezogene Dokumentation in der Erziehungshilfe – Standards, Erfahrungen und Ergebnisse, Frankfurt a.M. 2007, 272 Seiten, ISBN 978-3-925146-60-2
Die Publikation fußt auf Untersuchungsergebnissen aus dem Zusammenhang der Implementation und Evaluation eines elektronisch gestützten Dokumentationssystems (Gruppenbuch) in einer mittelgroßen Erziehungshilfe-Einrichtung (des Westfälischen Jugendheims Tecklenburg). Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsschwerpunktes „Qualitätsentwicklung in der Sozialen Arbeit“ an der Fachhochschule Münster. Thema der Publikation sind u.a.: Anforderungen an eine zielorientierte Dokumentation in Form von Kriterien und Arbeitshilfen, Kriterien zur Auswahl einer geeigneten Fach-Software, Ergebnisse der Evaluation bzgl. der Effektivität und der Effizienz der Arbeit mit dem elektronischen Gruppenbuch sowie daraus resultierende Erfahrungen und Empfehlungen.
Verena Wittke und Christiane Solf: Elternbeteiligung in Tagesgruppen, Frankfurt a.M. 2007, 256 Seiten,ISBN 978-3-925146-67-1
In diesem Buch, das auf Initiative der IGfH-Fachgruppe Tagesgruppen in die Publikationsreihe aufgenommen wurde, geht es um die Frage, wie Eltern den Lern- und Entwicklungsprozess „Hilfe zur Erziehung in der Tagesgruppe“ vor dem Hintergrund der gegebenen strukturellen, fachlich-konzeptionellen und individuellen Bedingungen nutzen und mit welchen Strategien sie ihn konkret beeinflussen. Wesentlich erscheint die Frage, welche Bedürfnisse, Erwartungen und Vorstellungen Eltern bewegen und welche Handlungsspielräume innerhalb der Tagesgruppe sie nutzen, um diese zu äußern und in den Tagesgruppenalltag zu integrieren,
Das Buch konzentriert sich auf den Hilfeprozess und hier speziell auf die Interaktion zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften. Die Beweggründe der Eltern stehen im Mittelpunkt der Ausführungen. Was veranlasst Eltern, sich in bestimmten Situationen zu beteiligen, was veranlasst sie, sich zurückzuziehen? Es geht darum zu verstehen, wie Eltern mit strukturellen Beteiligungsgrenzen umgehen, wenn sie z.B. von den Fachkräften die paradoxe Botschaft erhalten, sich zu beteiligen, ohne verantwortlich mitzugestalten. Das Buch weist in seinen Überlegungen auf generelle Fragestellungen in Bezug auf die Arbeit mit Eltern in den Erziehungshilfen hin.
4.3 Reihe „Basistexte Erziehungshilfen“
(Juventa Verlag Weinheim; Herausgeberin IGfH)
Die Reihe „Basistexte Erziehungshilfen“ der IGfH erscheint ab 2004 im Juventa-Verlag. Konzipiert ist die Reihe als eine für Ausbildungszwecke geeignete Buchreihe, die kompakt und praxisverwertbar über Arbeitsfelder, Probleme und Diskurse aus dem Bereich der Erziehungshilfen informiert. Sie richtet sich u.a. an Studierende an Fach- und Hochschulen und SozialpädagogInnen, die sich einen Überblick über ein Gebiet erzieherischer Hilfen verschaffen wollen, z.B. weil sie den Arbeitsplatz wechseln. Die Reihe wird im Auftrag des Vorstandes der IGfH herausgegeben von Josef Koch, Prof. Dr. Friedhelm Peters, Elke Steinbacher und Wolfgang Trede. Im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 erschienen fünf weitere Grundlagenbände:
Kurt Hekele: Sich am Jugendlichen orientieren. Ein Handlungsmodell für subjektorientierte Soziale Arbeit (vollständig überarbeitete Fassung des alten Titels) Basistexte Erziehungshilfen, Band 4
Weinheim 2005: Juventa Verlag, 208 Seiten, ISBN 3-7799-1774-2
Dieses Buch enthält neben der Darstellung und Erläuterung des Konzepts “Sich am Jugendlichen orientieren” und seiner Voraussetzungen auch Anwendungsbeispiele und Weiterentwicklungen, die verdeutlichen, wie die Perspektive des „Sich am Gegenüber orientieren“ auch in Zeiten verstärkter Nachfragen an Wirkungs- und Zielorientierungen Sozialer Arbeit seine praxiswirksame Bedeutung erhält. Ausgehend von der Kritik einer vergleichsweise aufwändigen, zumeist psychologisch oder gar psychiatrisch orientierten Diagnostik, deren Wahrheitsgehalt oder auch nur Sinnhaftigkeit, vor allem aber deren Handlungsempfehlungen die ErzieherInnen unterschiedlichster Ausbildungsprovenienz kaum nachvollziehen, wird im Konzept „Sich am Jugendlichen orientieren“ ein einfaches, verständliches und praktikables Handlungsmodell entwickelt. Das Konzept hat sich über die Jahre als „generatives Handlungskonzept“ (P. Freire) bewährt, in dem Ideen, Werte, Erfahrungen und Hoffnungen miteinander eng verwoben sind und das zudem eine starke motivierende Energie ausstrahlt.
Kerstin Bronner/ Michael Behnisch: Mädchen- und Jungenarbeit in den Erziehungshilfen, Basistexte Erziehungshilfen, Band 5, Weinheim 2007: Juventa Verlag, 259 Seiten, ISBN 978-3-7799-1775-5
Die AutorInnen des Bandes Mädchen- und Jungenarbeit in den Erziehungshilfen geben in diesem Werk eine Antwort auf die Frage nach Aktualität geschlechterreflektierender Arbeit in den Erziehungshilfen. Denn trotz der Vielzahl an einschlägigen Publikationen liegt eine praxisvermittelnde, adressatenbezogene und überblicksartige Systematik über Mädchenarbeit und Jungenarbeit in den Erziehungshilfen bislang nicht vor.
Diese Lücke wird mit dem vorliegenden Band geschlossen. Ein zweites Ziel des Buches ist es Einführungen zur Mädchenarbeit und Jungenarbeit in den Erziehungshilfen in einer gemeinsamen Abhandlung zu versammeln, wobei einerseits versucht wird, die Eigenheiten der beiden Zugänge zu würdigen und andererseits ihre Gemeinsamkeiten und Kooperationspotenziale herauszuarbeiten.
Wolfgang Hinte/ Helga Treeß: Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe,
Basistexte Erziehungshilfen, Band 6
Weinheim 2007: Juventa Verlag, 238 Seiten, ISBN 978-3-7799-1776-2
Der Basistexte-Band Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe reflektiert, dass Sozialraumorientierung als Fachkonzept für soziale Arbeit insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Quartiermanagement breite Aufmerksamkeit und Zustimmung findet. In zahlreichen Debatten und Praxisprojekten wird man indes mit einer recht großen Bandbreite an expliziten und insbesondere impliziten Definitionen von Sozialraumorientierung konfrontiert. Wolfgang Hinte und Helga Treeß, die seit vielen Jahren in Theorie und Praxis an diesem Konzept arbeiten, beschreiben in diesem Band theoretische Grundlagen, Handlungsprinzipien und konkrete Beispiele im Rahmen kooperativ-integrativer Pädagogik in Projekten der Kinder- und Jugendhilfe. Hiermit liegt zum ersten Mal eine systematische Darstellung für Ausbildung und Praxis vor, die einen Rahmen bietet für die künftige Weiterentwicklung sozialräumlicher Kinder- und Jugendhilfe, aber auch für die Diskussion in Wissenschaft und Forschung.
Birgit Lattschar/ Irmela Wiemann: Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte – Biografiearbeit in den Erziehungshilfen, Basistexte Erziehungshilfen, Band 7. Weinheim 2007: Juventa Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-7799-1777-9
Der vorliegende Band umfasst zwei Teile. Im ersten Teil Grundlagen erörtern die Autorinnen die Anfänge und Hintergründe von Biografiearbeit. Sie beschreiben die Zielgruppen, in welchem Alter sich welche Methoden eignen und besprechen die zentralen Themen, die bei den betroffenen Mädchen und Jungen ständig latent oder offen präsent sind (Bedeutung der Familie, Identitäts- oder Loyalitätskonflikte). Lattschar/Wiemann gehen auf Kontexte und Rahmenbedingungen ein und benennen die Kompetenzen der Bezugsperson, die für das Gelingen der Biografiearbeit Voraussetzung sind. Auch geben sie Hinweise für den Einbezug der Herkunftsfamilie in die Biografiearbeit. Der zweite Teil Praxis enthält Anregungen für die konkrete Arbeit: Vorüberlegungen, Checklisten, niedrig dosierter Beginn, die Gestaltung eines Lebensbuches (auch in Gruppen) bis hin zu konkreten Formulierungsvorschlägen bei schweren Themen, wie z. B. psychisch kranke Eltern, Gewalt oder Misshandlung oder dem Umgang mit fehlenden Informationen (unbekannter Vater, Findelkind).
Klaus Grunwald/Elke Steinbacher: Organisationsgestaltung und Personalführung in den Erziehungshilfen. Grundlagen und Praxismethoden, Basistexte Erziehungshilfen, Band 8. Weinheim 2007: Juventa Verlag, 259 Seiten, ISBN 978-3-7799-1778-6
Der vorliegende Band richtet sich an interessierte Fachkräfte in den Hilfen zur Erziehung – vornehmlich in mittleren und unteren Leitungspositionen sowie in der Vorbereitung auf solche Positionen – und an Studierende an Fachschulen, Berufsakademien und (Fach-)Hochschulen. Das Ziel des Bandes ist es, die Leserinnen und Leser einzuführen in Grundfragen des Sozialmanagements und ihnen gleichzeitig einige methodische Hilfsmittel für die Bewältigung des Arbeitsalltags in Führungspositionen an die Hand zu geben.
Einerseits wird praxisnahes Wissen vermittelt, primär, aber nicht nur in Fragen der Personalführung. Andererseits ist es gerade in Fragen der Organisationsgestaltung und der Personalführung für Einrichtungen der Erziehungshilfen unverzichtbar, sich mit theoriebezogener Literatur zu befassen. Eine Auseinandersetzung mit theoretischen Hintergründen der Sozialmanagementdebatte ist allein schon deswegen notwendig, um den Gegenstand des Managements von und in Einrichtungen der Erziehungshilfen in seiner Komplexität nicht fahrlässig zu reduzieren. So stellen die ersten beiden Kapitel deshalb die Rahmung dar für die im weiteren Verlauf folgenden, eher praxisbezogenen Kapitel. Sie geben einen groben Überblick über wichtige Facetten des gegenwärtigen Sozialmanagementdiskurses. Die in der einschlägigen Fachdebatte zu Fragen der Organisationsgestaltung und der Personalführung wurzelnden Überlegungen bilden die Basis für die praxisbezogenen Kapitel vier bis sechs.
Außerdem erschienen im Berichtszeitraum Neuauflagen z.B. der Bände von Wilma Weiß: „Philipp sucht sein Ich. Zum pädagogischen Umgang mit Traumata in den Erziehungshilfen“ sowie der Bände von Hans-Ullrich Krause/ Friedhelm Peters (Hrsg.): „Grundwissen Erzieherische Hilfen“.
4.4 Fachzeitschrift „Forum Erziehungshilfen“ (Juventa Verlag, Weinheim)
Die im 11. bis 13. Jahrgang erscheinende Zeitschrift der IGfH „Forum Erziehungshilfen“ ist sehr gut etabliert. Die Arbeit in der Redaktion sowie die Begleitung durch den Redaktionsbeirat haben sich bestens bewährt. Positive Entwicklungen sind besonders im Bereich der freien AbonnentInnen zu verzeichnen (cirka 400 freie AbonnentInnen zusätzlich). Im Berichtszeitraum ist Forum Erziehungshilfen im gesamten Jahrgang im Juventa Verlag mit einer Gesamtauflage von 2.700 Exemplaren erschienen. Dabei ist seit 2005 das Format und Layout – angepasst an den im Juventa-Verlag üblichen Standards – gleich geblieben.
Im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 erschienen wie üblich pro Jahr fünf Ausgaben vom Forum Erziehungshilfen mit einem Seitenumfang von jeweils 64 Seiten. Die Themenschwerpunkte umfassen jeweils rund ein Drittel der Zeitschrift, die beiden anderen Drittel der Zeitschrift dienen u.a. mit einem umfangreichen Magazin- und Literaturteil der Information der LeserInnen
sowie der Diskussion aktueller Fachthemen. In den fünfzehn Heften wurden die folgenden Themenschwerpunkte behandelt:
Heft 1/2005 - Interkulturelles Handeln? Heft 2/2005 - Schutz von Mädchen und Jungen bei häuslicher Gewalt Heft 3/2005 - Biografisches Arbeiten Heft 4/2005 - Freiheitsentzug in der Jugendhilfe Heft 5/2005 - Allein erziehen – Erziehungshilfen
Heft 1/2006 - Risikostrukturen Heft 2/2006 - Junge Mütter – junge Väter Heft 3/2006 - Biografisches Arbeiten Heft 4/2006 - Hartz IV und die Jugendhilfe Heft 5/2006 - Wirkungsorientierung
Heft 1/2007 - Körperlichkeit Heft 2/2007 - Erziehungshilfe und Schule Heft 3/2007 - Demokratie und Kinderschutz Heft 4/2007 - Familialisierung (be)trifft Mädchen Heft 5/2007 - Demografie und Erziehungshilfen
Im Berichtsjahr setzte sich die Redaktion, die im Verlauf des Jahres fünfmal tagte, aus folgenden Mitgliedern zusammen: Dr. Claudia Daigler, Stuttgart; Dr. Thomas Drössler, Dresden; Prof. Dr. Werner Freigang, Neubrandenburg; Prof. Hannelore Häbel, Reutlingen; Josef Koch, Frankfurt a.M. (Schriftleiter); Dr. Chantal Munsch, Dresden; Prof. Dr. Friedhelm Peters, Erfurt; Prof. Dr. Reinhold Schone, Steinhagen; Xenia Spernau, Frankfurt a.M.; Norbert Struck, Berlin und Prof. Dr. Mechthild Wolff, Landshut.
Neu hinzugekommen ist im Berichtszeitraum Thomas Drössler aus Dresden. Aus der Redaktion ausgeschieden ist Prof. Ullrich Gintzel, Dresden. Er bleibt Forum Erziehungshilfen im Redaktionsbeirat verbunden.
Der Redaktionsbeirat kommt einmal jährlich zusammen und hat sich als fachpolitisches Begleitgremium der Zeitschrift, in dem mittel- und langfristige Themen andiskutiert werden und der jeweils vorausgegangene Jahrgang intensiv ausgewertet wird, bewährt. Dem Redaktionsbeirat gehörten im Weiteren an:
Dem Redaktionsbeirat gehörten im Berichtszeitraum an: Heino Bösinger, Rostock; Dr. Ulrich Bürger, Stuttgart; Manfred Busch, Celle; Dr. Anne Frommann, Tübingen; Prof. Ullrich Gintzel, Dresden; Prof. Dr. Luise Hartwig, Münster; Birgit Heinisch, Chemnitz; Petra Hiller, Bochum; Cornelia Jager, Dresden; Christiane Kluge, Hamburg; Dr. Hans-Ullrich Krause, Berlin; Prof. Dr. Joachim Merchel, Dortmund; Sigrid Möser, Dresden; Claudia Porr, Mainz; Prof. Dr. Mathias Schwabe, Berlin; Dr. Karlheinz Thimm, Hennickendorf; Wolfgang Trede, Böblingen; Dr. Monika Weber, Münster; Matthias Westerholt, Bremen; Prof. Dr. Norbert Wieland, Münster; Prof. Dr. Hans-Dieter Will, Erfurt; Prof. Dr. Michael Winkler, Jena.
Beibehalten und konturiert wurde im Berichtszeitraum der zusätzliche Service des monatlichen Online-Informationsdienstes ForE Online (5. bis 7. Jahrgang) zur kurzfristigen Information (z.B. über knapp terminierte Hinweise auf Fördermittel oder interessante Fachtagungen). Es wurden 36 Ausgaben erstellt und verschickt. Die Zahl der AbonnentInnen wurde auf ca. 800 AbonnentInnen gesteigert. Außerdem gab es die Möglichkeit, ForE Online zur Probe zu abonnieren.
4.5 Weitere Publikationen der IGfH
Die IGfH brachte neben den drei Buchenreihen (Gelbe und Blaue Reihe im Walhalla Verlag und Basistexte Erziehungshilfen bei Juventa) und der Fachzeitschrift Forum Erziehungshilfen allein und häufig gemeinsam mit PartnerInnen weitere Broschüren und Projektveröffentlichungen im Eigenverlag und beim JUVENTA Fachverlag heraus. Diese dienen dazu u.a. Projektergebnisse und Dokumentation von Fachtagungen oder Sektionen der IGfH einer breiten LeserInnenschaft bekannt zu machen. Außerdem wurde in den Berichtjahren auf Online-Veröffentlichungen zurückgegriffen (Fachgruppe Integrierte Erziehungshilfen, Dokumentation der Internationalen Fachtagung mit Ministerium Rheinland-Pfalz).
Die IGfH erarbeitete 2005 eine 24-seitige Broschüre zu „Kinderrechten in der Erziehungshilfen“ (Auflage 4000 Exemplare), erstellt durch die AG Kinderrechte der IGfH, sowie 2006 gemeinsam mit der FH Landshut und den SOS-Kinderdörfern Empfehlungen zu Implementation von Beteiligungsprozessen als Qualitätsstandard für Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung.
Jährlich erschienen überdies ausführliche Sachberichte über die Aktivitäten der IGfH, ein Gesamtverzeichnis der IGfH-Publikationen sowie das IGfH-Tagungsprogramm mit den Ausschreibungen der Veranstaltungen des Folgejahres. Im Einzelnen ist über folgende weitere Schriften zu berichten:
Aus der Geschichte lernen – die Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren, die Heimkampagne und die Heimreform. Dokumentation einer Veranstaltung des LWV Hessen mit der IGfH und dem SPIEGEL Buchverlag bei DV am 09.07.2006. Herausgegeben von der IGfH, dem LWV Hessen und dem SPIEGEL-Buchverlag bei DVA, Kassel 2006, 100 Seiten, ISBN 978-3925146-65-7
Dokumentationsreihe des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit Rheinland-Pfalz:
Nicole Knuth/ Josef Koch/ Heinz Müller/ Claudia Porr: Wie wird ein Fall zum Fall im internationalen Vergleich – Vergleichende Analysen und Überlegungen, Mainz 2007 (abrufbar über die Broschürenstelle des Ministeriums und über die IGfH)
Informationsbroschüre „Dein Vormund vertritt dich“ (Gemeinschaftsprojekt von IGfH und DIJuF im Jahr 2005/2006 sowie Schaltung einer Homepage (www.dein-vormund.de). Die Entwicklung und der Druck der Broschüre wurde vom BMFSFJ finanziell unterstützt. 2006 wurde ein Nachdruck auf Grund der großen bundesweiten Nachfrage vorgenommen.
Dokumentation/Empfehlungspapier: Mechthild Wolff/ Sabine Hartig: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung. Empfehlungen des Projektes „Beteiligung – Qualitätsstandard für Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung“ Herausgegeben von SOS Kinderdorf e.V. Deutschland im Rahmen des gleichnamigen Modellprojektes von SOS, der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen und der Fachhochschule Landshut, erschienen im Dezember 2006 (abrufbar unter www.DieBeteiligung.de)
Im Berichtsjahr erschienen turnusgemäß die umfangreichen IGfH-Sachberichte für die Jahre 2004, 2005, 2006. Erstmals wurde hier ein ansprechenderes Layout gewählt. Diese können bei der IGfH-Geschäftsstelle angefordert werden.
Für Mitglieder und Einrichtungen wurde erstmals eine eigene 20-seitige Kurzfassung der Sachberichte erarbeitet (Jahresbericht 2006).
4.6 Internetauftritt (www.igfh.de)
Im Berichtszeitraum war der Schwerpunkt der Aktivitäten auf die Pflege und Verbreitung der Seiten gelegt. Die gesamte Weiterentwicklung der Seite wird stetig unter der Fokussierung auf die Leitlinie „informative, benutzerfreundliche und serviceorientierte Gestaltung“ analysiert, geplant und umgesetzt. Die bereits bewährten Angebote wie „Grundsätzliche Informationen über die IGfH“, „Stellenbörse“, die Verbindung mit der Datenbank des DPWV mit „aktuellen Jugendhilfeinformationen“ (z.B. Tagungshinweise, Stellungnahmen, Materialien) waren rege nachgefragt. Die Rubrik „Aktuelles“ auf der Startseite der Homepage wurde intensiv gepflegt. Es konnte auch im Berichtszeitraum ein kurzfristiges Intervall der Aktualisierung und Pflege (bis zu dreimal in der Woche) umgesetzt werden.
Wie bereits im Vorjahr erwies sich die Pflege der Rubrik „Termine“, die einen schnellen Überblick über Tagungsangebote bundesweit ermöglichen sollte, als – im Verhältnis zur Pflege der anderen Rubriken – besonders zeitintensiv. Dieses Angebot wurde daher im Berichtszeitraum nur eingeschränkt gepflegt. Die Eingabemaske für Fachanfragen erfreut sich als Angebot kontinuierlich wachsender Beliebtheit und wird nicht nur von Mitgliedern genutzt. Das Facharchiv der IGfH wurde online zur Verfügung gestellt; auch auf die halbjährlich erscheinende Zeitschriftenbibliografie kann der Nutzer Zugriff nehmen.
Die breite Akzeptanz der Seite zeigt sich an den kontinuierlich wachsenden Zugriffszahlen und den ansteigenden Datenmengen, die heruntergeladen werden. Die Statistik der Seite kann durch die IGfH online eingesehen werden.
Auch weiterhin besteht für die verschiedenen Gremien der IGfH die Möglichkeit eigene Inhalte einzustellen. Dazu bekamen die FachgruppensprecherInnen ein eigenes Passwort, welches ihnen den Direktzugriff ermöglicht. Die in eigener Verantwortung programmierten Seiten des Arbeitskreises Inobhutnahme (AKI) sind im Berichtszeitraum auf den Server der IGfH umgezogen und sind nun unter www.igfh.de/aki zu erreichen. Zusätzlich wird von der IGfH seit 2006 auch die Seite www.dein-vormund.de (siehe Projekte) betrieben.
Die Homepage der IGfH ist gut etabliert. Auch in diesem Berichtszeitraum konnte eine deutliche Steigerung der Zugriffe verzeichnet werden. Insgesamt wurde die Homepage der IGfH 2007 40.695 Mal besucht (2005 30.899), was einem monatlichen Durchschnitt von 4.058 Besuchen (2005: 2575) entspricht. Die Gesamtanzahl der Seiten, die die Besucher aufgerufen haben, beträgt zum Beispiel 2007 104.426, die „Einzelhits“, also die Gesamtanzahl der angeklickten Links, betrug 2007 433.438. In der Auswertung für die Jahre 2005 bis 2007 zeigte bezüglich der Statistik nach Tagen und Stunden, dass die Homepage der IGfH vorwiegend in Arbeitszusammenhängen genutzt wird: So sind an den Wochenenden und in den Abend-/Nachtstunden meist nur wenige Zugriffe zu verzeichnen, während zwischen 14.00-16.00 Uhr Zugriffsspitzen erreicht werden.
Bei aller technischen Vereinfachung der Pflege der Seiten mit Hilfe von Lotus Notes Datenbanken ist es zeitaufwändig, die regelmäßige Aktualisierung und Pflege der Seiten zu gewährleisten. Hier zeigt sich, dass die Nutzung der Seiten sehr stark davon abhängt, in welcher Intensität bzw. mit welchem Zeitaufwand die Seite gepflegt wird. So zeigt sich anhand der täglich auswertbaren Zugriffszahlen jeweils unmittelbar, wenn aus unterschiedlichen Gründen mehrere Tage keine neuen Inhalte eingestellt werden können. Dabei stellt nach wie vor das größte Problem die Zeitaufwändigkeit des „technischen“ Einstellens dar. Die Programmierung zusätzlicher
Seiten kann nicht innerhalb der IGfH geleistet werden, hier müssen professionelle Dienste abgefragt werden.
Über die Erhöhung der Serviceorientierung muss dennoch stetig nachgedacht werden, eine Möglichkeit könnten Kooperationen mit anderen Webdiensten darstellen (z.B. das Fachkräfteportal der AGJ), eine andere Möglichkeit ist der gezielte Einsatz von zusätzlich programmierten Seiten, die dann kurzfristig und themenbezogen Akzente setzen. Dann kann der gut etablierte Internetauftritt der IGfH weiterhin als nutzerfreundliches Angebot zur Information von Fachkräften wie Interessierten genutzt werden.
5. Gremien
Die Vereinsstruktur der IGfH unterstützt einen hohen Grad an Ehrenamtlichkeit der Arbeit des Fachverbandes. Mitgliederversammlung, Delegiertenversammlung und Vorstand als die förmlichen Verbandsorgane entscheiden über fachpolitische und inhaltliche Schwerpunktsetzungen und entwickeln Strategien zu ihrer konkreten Umsetzung. In Regional- und Fachgruppen, die sich ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis treffen und ihre inhaltlichen Schwerpunkte autonom festlegen, werden zu einem großen Teil Aktivitäten in Form von Fachtagungen, Positionspapieren und Stellungnahmen initiiert und erarbeitet. In den Gremien der IGfH (ohne Regionalgruppen) sind derzeit ca. 180 Fachkräfte der erzieherischen Hilfen regelmäßig ehrenamtlich aktiv.
Die überwiegende Mehrzahl der bislang berichteten Aktivitäten wird in den Gremien der IGfH nicht nur vorberaten und entschieden, sondern viele der dort ehrenamtlich aktiven Vereinsmitglieder sind auch an der praktischen Umsetzung beteiligt, führen Tagungen durch, engagieren sich in Projekten der IGfH oder beteiligen sich an Publikationsvorhaben. Neben den Mitgliedern in den Organen des Vereins, der Mitgliederversammlung (5.1), der Delegiertenversammlung und dem Vorstand (5.2) sind hier vor allem die Mitglieder der Fachgruppen (5.3) und der Regionalgruppen (5.4) zu nennen.
Intensiviert wurde im Berichtszeitraum die externe Vernetzung des Vereins, d.h. die Mitarbeit in für die IGfH wichtigen bundesweiten Gremien anderer Verbände (5.5).
5.1 Mitgliederversammlung
Am 14.09.2005 fand in Dortmund von 10.00 bis 13.00 Uhr die Mitgliederversammlung (MV)
verbunden mit den Wahlen zur Delegiertenversammlung statt. Neben den Wahlen und den üblichen Regularien wurde auf der MV die Arbeit der IGfH der vorangegangenen drei Jahre ausgewertet und über das Arbeitsprogramm 2005-2007 beratschlagt. Diskutiert wurde über die Aktivitäten und Grundlinien sowie sozialpolitische Einordnungen und über die Weiterentwicklung von Beteiligungsformen und Kinderrechten sowie über die Entwicklung von geschlechtssensiblen Ansätzen in den Hilfen zur Erziehung.
5.2 Delegiertenversammlung und Vorstand
Im Vorstand der IGfH arbeiteten im Berichtszeitraum von 2005 bis 2007 mit:
Dr. Hans-Ullrich Krause (1. Vorsitzender), Leiter des Berliner Heimverbundes "Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg"
Prof. Dr. Mechthild Wolff (2. Vorsitzende), Fachhochschule Landshut
Prof. Dr. Friedhelm Peters (2. Vorsitzender), Fachhochschule Erfurt, Fachbereich Sozialwesen
Lucas-Johannes Herzog, Bereichsleiter für Erziehungshilfe im Jugendamt Stuttgart
Nicole Knuth, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität in Dortmund
Prof. Dr. Peter Hansbauer, Fachhochschule Münster
Dirk Nüsken, stellvertretender Geschäftsführer des Instituts für soziale Arbeit in Münster.
Josef Koch gehört als Geschäftsführer der IGfH dem alten wie neuen Vorstand qua Amt an.
Der Vorstand der IGfH traf sich am 18. Januar 2006 zu seiner ersten Sitzung nach der Neuwahl. In dieser Zusammenkunft wurden zunächst die beiden Stellvertreterinnen/Vertreter des Vorsitzenden durch den Vorstand gewählt. Frau Prof. Dr. Mechthild Wolff und Prof. Dr. Friedhelm Peters wurden durch die Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt. Im Berichtszeitraum traf sich der Vorstand zu fünfzehn Sitzungen. Eine Sitzung pro Jahr war als Klausurtagung zweitägig angelegt.
Der Vorstand hat zu Beginn des Jahres 2006 - unter Einbezug der Delegiertenversammlung - ein Arbeitsprogramm entwickelt, das folgende Punkte anspricht (Stichworte):
Die Delegiertenversammlung kam in den Jahren 2005 - 2007 zu insgesamt sechs zwei- bzw. dreitägigen Sitzungen zusammen. Als Delegierte waren im Berichtszeitraum aktiv:
für die Säule "Einzelmitglieder": Prof. Dr. Werner Freigang, Hans Hansen, Martina Kriener, Klaus Lehning, Prof. Dr. Hans Dieter Will
für die Säule "Freie Träger/Ausbildungsstätten": Roland Berner (Kleingartacher e.V.), Saied Farman (Schottener Reha-Einrichtungen), Rolf Negele (Diakonie Rosenheim), Monika Rüsch (VSE Münster), Kristin Teuber (SPI im S.O.S. Kinderdorf e.V.)
für die Säule "Staatliche und kommunale Träger": Willi Igel (Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern, Landesjugendamt), Sylvia Kopp (Landesjugendamt Brandenburg), Monika Schipmann (Senatsverwaltung Berlin), Sabine Stahl, ab 2007 Heinz Pielert (Hessisches Sozialministerium), Sigrid Kinziger (Jugend- und Sozialamt Frankfurt a.M.).
Die Delegierten beschäftigten sich auf ihren Sitzungen im Berichtszeitraum u.a. mit folgenden Themen:
Die Tradition, in verschiedenen Regionen Deutschlands präsent zu sein, wurde weitergeführt.
Die Herbstsitzungen sind nun schon seit mehreren Jahren traditionell verbunden mit einer „Aktiventagung“. Zu ihr werden die SprecherInnen der Regional- und Fachgruppen eingeladen, mit der Absicht, eine bessere Verzahnung zwischen den verschiedenen Vereinsgremien zu erreichen.
Auf jeder DV wird zumindest ein Fachthema behandelt, vorbereitet durch interne oder externe ReferentInnen. Dies hat sich sehr bewährt, verhinderte das Fachthema doch nicht nur, dass ausschließlich über Vereinsregularien und -formalitäten debattiert wurde, sondern aus den Fachdebatten häufig Planungen für konkrete Vorhaben erwuchsen.
Mitglieder des Vorstandes und der Delegiertenversammlung waren als VertreterInnen der IGfH über die genannten Aktivitäten hinaus auf vielen Tagungen und Konferenzen anderer Verbände als TeilnehmerInnen, ReferentInnen oder ArbeitsgruppenleiterInnen beteiligt.
5.3 Regionalgruppen
Auch zwischen 2005 und 2007 waren die Aktivitäten der Regionalgruppen ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit. Im Berichtszeitraum arbeiteten insgesamt neun Regionalgruppen, und zwar in Baden-Württemberg (Sprecher: Michael Weinmann, Iska Müller), Bayern (Thomas Herrmann, Ulrich Loesewitz), Berlin (Ulrike Herr, Hans-Ullrich Krause), Hessen-Nord (Klaus Lehning), Mecklenburg-Vorpommern (Werner Freigang), Westfalen-Lippe (Ekkehard König), Brandenburg (Hans Hansen) und Hamburg (Karoline Korring). Die Anzahl der TeilnehmerInnen der Regionalgruppentreffen ist sehr unterschiedlich. Eine rege TeilnehmerInnenzahl konnte im Berichtsjahr v.a. dann beobachtet werden, wenn interessante Fachthemen angeboten wurden. Die Möglichkeit online Inhalte auf die Homepage der IGfH einzustellen besteht weiter, sie wird von den Regionalgruppen aber nur sehr eingeschränkt genutzt. Letztlich steht und fällt die Aktivität einer Regionalgruppe mit dem Engagement einzelner Personen, die oft ohnehin noch in anderen Gremien aktiv sind.
Durch die Regionalgruppen besteht für viele IGfH-Mitglieder die Möglichkeit, sich in ihrer Region trägerübergreifend fachlich auszutau-schen und - z.B. mit Hilfe von Stellungnahmen - fachpolitisch in der Region Einfluss zu nehmen. Über die vielen Aktivitäten der Regionalgruppen kann an dieser Stelle aus Platzgründen nicht detailliert berichtet werden. Die Bandbreite der RG-Aktivitäten war jedoch enorm und reichte von der Auseinandersetzung mit sozialräumlichen Konzepten und dem Verhältnis „Jugendhilfe-Schule“ über das Thema „Sexualpädagogik in Einrichtungen“ oder „ Traumapädagogik in der Heimerziehung“, „Grauzonen geschlossener Unterbringung“ oder thematisierten „Gute Orte für Kinder“. Dank für all dieses breit gefächerte fachliche Engagement!
5.4 Fachgruppen und Ad-hoc-Arbeitsgruppen
2005-2007 waren folgende Fachgruppen und SprecherInnen aktiv mit jeweils zwei mehrtägigen Sitzungen pro Jahr:
FG Drogen (Anne Genau, Andreas Heuing)
FG Erziehungsstellen (Imke Büttner, Kurt Sternberger)
FG Integrierte Erziehungshilfen (Thomas Röttger, Matthias von Holst)
FG Mädchen und Frauen (Burglinde Retza)
FG Heimerziehung und andere betreute Wohnformen (Eckard Mann, Marie Dulle)
FG Tagesgruppen (Ulrike Bavendiek)
Arbeitskreis Inobhutnahme (Rüdiger Riehm, Graham Lewis).
In der Regel nahmen die SprecherInnen bzw. VertreterInnen der FG als Gäste an den Delegiertenversammlungen teil und berichteten dort über die Aktivitäten ihrer Fachgruppen. Informationen über die Arbeit der Fachgruppen sind zeitweise auch im Internet www.igfh.de in der Rubrik „Gremien“ zu finden. An dieser Stelle nur einige Stichworte aus der inhaltlichen Arbeit. Zentrale Themen in den Fachgruppen waren: die Vorbereitung und Durchführung von Bundestagungen (z.B. FG Heimerziehung, Erziehungsstellen, Integrierte Erziehungshilfen), Berichte aus den Regionen, Kooperation und Vernetzung der IGfH Gremien untereinander, Erarbeitung von Positionspapieren (z.B. FG Drogen, FG Integrierte Hilfen, FG Erziehungsstellen, FG Heimerziehung), Planung von Veranstaltungen und Studienreisen (FG Frauen, AKI). In jeder Sitzung wird des Weiteren ein Schwerpunktthema, oft mit Vortrag einer externen ReferentIn, bearbeitet. Regelmäßig berichten die Fachgruppen darüber und über ihre Arbeit im ForE.
Eine große Anzahl der vorgenannten Aktivitäten (z.B. Bundestagungen, Fortbildungen, Fachtagungen, Positionspapiere, Veröffentlichungen im „Forum Erziehungshilfen“ etc.) wurden auch in diesem Jahr von den Fachgruppen initiiert bzw. realisiert. Im Folgenden werden noch einmal kurz die Themenschwerpunkte der Fachgruppen im Berichtszeitraum dargestellt.
Wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der Fachgruppe Erziehungsstellen (in der Regel 25 TeilnehmerInnen) im Berichtszeitraum war die Vorbereitung, Konzeptionierung und Durchführung (und auch die anschließende Auswertung) der 4. Bundestagung Erziehungsstellen „Erziehungsstellen im Umbruch. Bewährtes sichern – Neues wagen …“, die im Mai 2007 in Oberhausen ausgerichtet wurde. Eine „schlagkräftige“ Vorbereitungsgruppe traf sich zusätzlich seit 2006 mehrfach und so konnte 2007 mit 384 TeilnehmerInnen eine interessante und ansprechende Bundestagung in Oberhausen durchgeführt werden. Eine gute Mischung aus verschiedensten Themen sowie unterschiedlichsten Arbeitsformen (Foren, Workshops und Open Space) wurde seitens der Mitglieder des Gremiums besonders gewürdigt. Neben der Bundestagung waren 2005 Themen wie die „aktuelle Entwicklung des Pflegekinderwesens in Bremen“ und „Hartz IV und Erziehungsstellen“ für die Diskussionen zentral.
Als weiteres Fachthema wurde „Vollzeitpflege auf Zeit“ mit einem Referat von Kolleginnen aus dem Pfiff e.V vorbereitet, doch standen noch viele weitere Themen zur Bearbeitung an: Berichte aus den Regionen, ein Bericht über ein studentisches Forschungsprojekt bei den „Westfälischen Pflegefamilien“, Fachaustausch zu § 41 SGB VIII – Hilfen für junge Volljährige (in Erziehungsstellen), zu flexiblen Betreuungsschlüsseln in der Erziehungsstellenarbeit und zu den gesetzlichen Neuregelungen des „KICK“ und eine Diskussion zum Selbstverständnis der Fachgruppe. Im Rahmen der Sitzungen wurde das Thema „Hilfen für junge Volljährige weitergeführt. Gerade für die Erziehungsstellen sind Hilfen nach §41 KJHG ein wichtiges Thema. Und so wurde im Rahmen der Sitzung beschlossen, ein Diskussionspapier zum Thema zu entwerfen und zu veröffentlichen. Auch innerverbandliche Themen werden kontinuierlich bewegt, so beteiligt sich die Fachgruppe mit zwei Arbeitsgruppen an der IGfH-Jahrestagung 2008. In der Herbstsitzung der Fachgruppe 2007 war außerdem Josef Koch zu Gast, der mit der Fachgruppe internationale Entwicklungen im Bereich des Pflegekinderwesens diskutierte.
Die Fachgruppe Tagesgruppen traf sich im Jahr 2005 zu zwei dreitägigen Sitzungen, in deren Zentrum zum einen die inhaltliche, didaktische und organisatorische Vorbereitung der 15. Bundestagung Tagesgruppen (02. - 04. März 2006 in Düsseldorf) stand. Zum anderen beschäftigten sich die KollegInnen mit Entwicklungen und Konzepten zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Dazu waren Gäste aus dem Kultusministerium Thüringen eingeladen, die zu Schnittstellen zwischen Jugendhilfe und Schulen im Land Thüringen berichteten. Thema der Herbstsitzung 2005 in Frankfurt/M. waren neuere Ergebnisse der Familienforschung sowie ein Artikel von Mathias Moch zur Perspektive von Tagesgruppen (Forum Erziehungshilfen 2/2005).
Darüber hinaus setzten sich die KollegInnen 2006 - angeregt durch einen Vortrag von zwei DoktorandInnen der Freien Universität Berlin - mit dem Thema „Partizipation von Eltern in Tagesgruppen“ auseinander. Im Ergebnis einer sehr lebendigen, durchaus kontroversen Diskussion zu verschiedenen Aspekten von Partizipation entstand Interesse in der Fachgruppe, sich noch weiter und intensiver mit der Frage, wie Beteiligung von Betroffenen im Rahmen von Hilfen zur Erziehung tatsächlich verwirklicht werden kann, zu beschäftigen. Die Fachgruppe initiierte mit der Geschäftsstelle, dass zum Thema „Partizipation von Eltern in der Tagesgruppe“ eine Doktorarbeit in der Blauen Reihe der IGfH-Veröffentlichungen erschien.
2007 beschäftigte sich die Fachgruppe mit dem Projekt „Familiy Group Conferences“, welches die IGfH in Kooperation mit der FH Münster durchführt. Außerdem waren sozialräumlich orientierte Projekte der Stadt Celle als Praxis gelebter Partizipation Thema der Sitzungen. Aus beiden Inputs konnte die Fachgruppe wertvolle Diskussionsanregungen gewinnen. Zur Herbstsitzung 2007 in Erfurt war Dirk Nüsken vom ISA Münster eingeladen, der zum Bundesmodellprojekt „Wirkungsorientierte Steuerung“ referierte und die Zwischenergebnisse des Projektes vorstellte. Zuvor hatte Achim Stopp den Evaluationsansatz von WIMES vorgestellt.
Zentrales Thema der Sitzungen der Fachgruppe Heimerziehung und sonstige betreute Wohnformen war die Vorbereitung der im September 2007 in Tübingen stattfindenden Bundestagung „Gegenwart gestalten – auf Ungewissheit vorbereiten. Heimerziehung und Bildung“. Versucht wurde, die unterschiedlichen Aspekte des Themas innerhalb der Fachgruppe zu erarbeiten und für eine große Fachtagung zu operationalisieren. Die Rückkoppelung und Diskussion des Arbeitsstandes dieser Tagung nahm breiten Raum ein. Inwiefern Bildung eine Aufgabe in den verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe ist und berufliche Ausbildung angesichts der Chancen auf dem Arbeitmarkt ein immer wichtigerer Baustein der Arbeit mit Jugendlichen in der Jugendhilfe wird, konnte u.a. auf der Bundestagung Heimerziehung im Herbst 2007 diskutiert werden.
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Sitzungsarbeit war die Erarbeitung eines Diskussionspapiers zum Thema „Was tun mit Kindern, die uns Schwierigkeiten machen?“. Diese Diskussion wurde über mehrere Sitzungen geführt und gipfelte in einem Positionspapier der Fachgruppe, das im Forum Erziehungshilfen veröffentlicht wurde. Mit dem Papier bezog die Fachgruppe ihrerseits Stellung zu erforderlichen Rahmenbedingungen und den Anforderungen an die MitarbeiterInnen. Außerdem war natürlich die Beteiligung an der IGfH-Jahrestagung im September 2008 in Magdeburg Thema der Sitzungen.
Daneben wurden weitere fachliche Themen bearbeitet wie „Umsetzung der Anforderungen nach § 8 a SGB VIII“, „Kinderschutz“ und „Kinder und Armut“. Außer eher „allgemeinen“ Themen wie Bericht aus den Regionen und Planung des Internetauftritts der Fachgruppe standen immer wieder Verbandsthemen wie „Gender Mainstraming in der Arbeit der Fachgruppe“ und Vernetzung mit anderen Gremien der IGfH auf den Tagesordnungen der Sitzung.
Die erst im Jahr 2003 gegründete Fachgruppe Integrierte Erziehungshilfen traf sich mit durchschnittlich 15 Mitgliedern. Sprecher der Fachgruppe ist Thomas Röttger vom Linerhaus Celle. Sigrid Möser vom VSP Dresden trat 2005 als zweite Sprecherin aus beruflichen Gründen zurück. Matthias von Holst vom Neukirchener Erziehungsverein wurde als neuer zweiter Fachgruppensprecher einstimmig gewählt.
Auf der Frühjahrssitzung 2005 wurden vor allem Modelle der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule im Rahmen einer integrierten sozialräumlichen Hilfe vorgestellt. In der Diskussion ging es vor allem um folgende Aspekte. Welche Stolpersteine gibt es bei der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe? Im Mittelpunkt der Folgesitzungen standen allerdings die Planungen für das Bundestreffen Integrierte und sozialräumliche Erziehungshilfen im Mai 2006. Die Tagungsstruktur und die inhaltlichen Schwerpunkte der Tagung wurden auf den Sitzungen immer wieder besprochen.
Aus der Fachgruppe heraus wurde 2006/ 2007 eine Redaktion für eine neue Online-Publikation gebildet, die ein- oder zweimal im Jahr praktische und konzeptionelle Entwicklungen rund um die Ausformung integrierter Erziehungshilfen beleuchten und diskutieren soll. Die Redaktion besteht aus Georg Cleppien (Dortmund; jetzt Rostock), Diana Düring (Erfurt), Friedhelm Peters (Dresden) und Nicole Rosenbauer (Dortmund). Dieser Rundbrief wird von der Fachgruppe Integrierte Erziehungshilfen der IGfH fachlich unterstützt. Im Berichtszeitraum erschien eine Nummer mit einzelnen Beiträgen vom Bundestreffen Integrierte Erziehungshilfen.
Auf den Sitzungen der Fachgruppe wurde außerdem über den Themenkomplex „Flexibilität und Standards in den Integrierten Erziehungshilfen“ gearbeitet und diskutiert. Eine Arbeitsgruppe wurde ausgegründet, die dazu ein Positionspapier, das im Frühjahr 2008 in der endgültigen Fassung vorliegen wird, ausarbeitete. Weitere Themen des Fachaustausches waren Auswirkungen und die Praxis in integrierten Erziehungshilfen rund um den Kinderschutz (§ 8a SGB VIII) sowie geschlechtersensible Arbeit in der Fachgruppe und in den Einrichtungen. Die Jahrestagung der IGfH 2008 bildete in beiden Beratungen der Fachgruppe 2007 einen Schwerpunkt, da die Fachgruppe mit verschiedenen Arbeitsgruppen diesen Kongress inhaltlich mitgestaltet und - wie die anderen Fachgruppen auch – in der vorbereitenden Konzeptgruppe mitwirkte.
Die Fachgruppe Mädchen und Frauen tagte im Berichtszeitraum fünfmal. Schwerpunkte der Arbeit der Fachgruppe 2005 war die Vorbereitung des Expertinnengespräches zu „Gender Mainstreaming“ sowie Auswertungen der Veranstaltungen (z.B. Beteiligung an der Dortmunder-Jahrestagung der IGfH) und die regelmäßige Beteiligung an den Fortbildungsangeboten der IGfH. 2006 wurde eine Studienreise nach Schweden zum Thema „Mädchen- und Frauenprojekte in Stockholm“ vorbereitet, konzipiert und durchgeführt. Außerdem beteiligte sich die Fachgruppe an der Bundestagung Heimerziehung sowie an einer Fortbildung zum Thema „Mädchen und Gesundheit“. Schwerpunkte der inhaltlichen Diskussionen in der Fachgruppe waren ansonsten die weitere Auseinandersetzung mit den Themen „Gender Mainstreaming in den erzieherischen Hilfen“, „Mädchen und Islam“, „Niedrigschwellige Arbeit mit minderjährigen DrogengebraucherInnen“ sowie weiterführend „Mädchen und Gesundheit“. Thematischer Schwerpunkt der Sitzung 2007 in Hamburg war die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Hartz IV auf Frauen und Mädchen. Als Einstieg in die Diskussion war Irene Bauerschmidt, Projekt Hartz IV der Diakonie in Hamburg, eingeladen, Grundzüge der Reform sowie die konkreten Auswirkungen mit einem Input einzuleiten. Weitere Themen waren die redaktionelle Planung eines Themenschwerpunktes im Forum Erziehungshilfen (Familialisierung (be)trifft Mädchen). Das Thema „Mädchen und Gesundheit“ ist kontinuierlich begleitendes Thema und soll in der Frühjahrssitzung 2008 noch einmal ausführlich behandelt werden. Die weitere Planung der Fachgruppensitzungen ergab, dass es besser möglich ist, sich nur noch einmal im Jahr zu einer mehrtägigen Sitzung zu treffen.
Nachdem unter maßgeblicher Beteiligung einiger Mitglieder der Fachgruppe Drogen - besonders genannt werden sollen hier Dr. Jürgen Friedrichs und Dr. Paul Erdélyi – Anfang des Jahres 2005 die Publikation „Drogen in der Jugendhilfe. Rechtliche Aspekte und Fragen aus der Praxis“ (Münder, Lehmann, Erdélyi, Friedrichs) erscheinen konnte, wirkte die Fachgruppe auch aktiv mit an der Vorbereitung und Durchführung der Fachtagung zum selben Thema am 28.02.05 in Frankfurt/M. In ihren nachfolgenden jeweils zweitägigen Sitzungen beschäftigten sich die Mitglieder intensiv mit den fachgruppeneigenen Arbeits- und Diskussionsstrukturen, wurde die Diskussion zum Verständnis von akzeptierender Arbeit mit Drogen konsumierenden Jugendlichen wieder aufgenommen, um sich einer gemeinsamen inhaltlichen Plattform der Arbeit zu vergewissern. Im Zuge dieses Prozesses der Konsolidierung veränderte sich schließlich auch die Zusammensetzung der Fachgruppe, die nunmehr ein neues Arbeitsprogramm vereinbart hat. In dessen Zentrum wird die Fortschreibung und Aktualisierung des 1998 von der Fachgruppe Drogen vorgelegten Positionspapiers „Zum pädagogischen Umgang mit Drogen“ stehen. Da es ein wichtiges Anliegen der Gruppe ist, das Thema „Umgang mit Drogen konsumierenden Jugendlichen in der Jugendhilfe“ als Querschnittsthema im Fachverband zu sichern, entstand in der Herbstsitzung die Idee, die anderen Fachgruppen anzusprechen, ob ein Besuch möglich ist und ob Interesse besteht, mit den KollegInnen der FG Drogen über das Thema „Drogen als Querschnittsthema in den erzieherischen Hilfen“ in den Austausch zu kommen. Darüber hinaus beschäftigte sich die Fachgruppe mit der im Jahr 2008 stattfindenden IGfH-Jahrestagung und ihren eigenen Beiträgen zu dieser Netzwerktagung des Fachverbandes. Ein weiteres Thema - ausgelöst nicht zuletzt durch die erneute Verkleinerung der Gruppe - war die weitere Perspektive der Fachgruppe.
Neben den genannten Fachgruppen wird seit 1997 ein Arbeitskreis Inobhutnahme (Rüdiger Riehm, Graham Lewis) von der IGfH unterstützt. Dieser veranstaltet z.B. regelmäßig Fach- und Arbeitstagungen und veröffentlicht Arbeitsergebnisse im „Forum Erziehungshilfen“. Der Arbeitskreis setzt sich aus durchschnittlich 15 anwesenden MitarbeiterInnen verschiedener Einrichtungen nach § 42 SGB VIII innerhalb des Bundesgebietes zusammen.
In den Sitzungen der Frühjahrssitzung des AKI wurde sich im Rahmen des kollegialen Fachaustausches zu vielfältigen Themen ausgetauscht: z.B. Freizeitgestaltung in der Inobhutnahme; Tagesstrukturierenden Maßnahmen in der Inobhutnahme; Clearing als Bestandteil der Inobhutnahme; Wie werden Krisensituationen in den Einrichtungen geklärt?; Fragen der konkreten Dienstplangestaltung unter Beachtung der Vorgaben durch das Arbeitszeitschutzgesetz; die Gratwanderung zwischen Aushalten und Ausgrenzen von Kindern und Jugendlichen bei fehlender Kooperationsbereitschaft und die personelle und pädagogische Ausstattung in den einzelnen Gruppen der Inobhutnahme. Andere Themen der kollegialen Beratung kreisten um die steigenden Fallzahlen bei Kindern, die Zunahme an Inobhutnahmen von Geschwistern, die ansteigende Anzahl von unbegleiteten, ausländischen Minderjährigen u.a.m. Neben Besuchen der Einrichtungen des Gastgebers lagen Schwerpunkte der Arbeitstagungen auf der abschließenden Bearbeitung und Auswertung der durch den Arbeitskreis in Kooperation mit Frau Professor Zitelmann von der Universität Osnabrück (jetzt an der Universität Frankfurt/ Main) ausgewerteten Befragung von Inobhut nehmenden Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland (vgl. auch Artikel ForE 3/2005). Ein zweites Schwerpunktthema war die sozialpä-
dagogische Diagnostik innerhalb der Inobhutnahme. Ein weiterer Schwerpunkt war der interne Fachaustausch über den Stand der eigenen Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Weitere Themen des Berichtszeitraumes: Fall Kevin in Bremen, Entwicklung einer „Schriftenreihe“ – ein Online Kompendium wichtiger Aspekte der Arbeit in Inobhutnahmeeinrichtungen auf der Homepage des AKI (www.ighf.de/aki); Rechtliche Veränderungen (§ 8 a SGB VIII); Arbeitszeitmodelle nach neuen Anforderungen der EU u.a.m. Für das Jahr 2008 plant der Arbeitskreis eine Buchveröffentlichung zum Thema Inobhutnahme, die im Rahmen der „Blauen Reihe“ der IGfH erscheinen wird.
Ad-hoc-Arbeitsgruppen werden in der IGfH gegründet, um bestimmte Bereiche in kleinerem Kreis „vorzudenken“. Ergebnisse der AGs haben Vorschlagscharakter und müssen/ können dann in die relevanten Gremien eingespeist werden. Im Berichtszeitraum arbeiteten darüber hinaus mehrere Ad-hoc-Arbeitsgruppen zu aktuellen Themen. Diese waren:
Zur Vorbereitung der Aufnahme des „Gender Mainstreaming“ in die Satzung der IGfH hatte sich 2004 eine Arbeitsgruppe gebildet. Diese hat in mehrmaligen Treffen eine Vorlage erstellt, die als Diskussionsgrundlage im Vorstand verwendet worden ist. Gender Mainstreaming wurde als Querschnittsaufgabe im Berichtsjahr in die Satzung aufgenommen. Die Arbeitsgruppe arbeitete 2005 und 2006 an Vorschlägen zur Umsetzung der Prinzipien des Gender Mainstreaming in den Verband. Das Strategiepapier zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in der IGfH wurde zur Diskussion in den Vorstand und die Gremien der IGfH weitergeleitet und dort diskutiert. Das Papier enthält Vorschläge auf verschiedenen Ebenen, insbesondere hervorgehoben ist das Thema als Zugang in den Gremien und in der Organisationsstruktur der IGfH sowie im Feld der pädagogischen Praxis der Fachgruppen.
Außerdem wurde bis 2005 die Arbeitsgruppe „Kinder haben Rechte“ weitergeführt. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Recherche und der Etablierung von Beteiligungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen der erzieherischen Hilfen und Formen des Beschwerdemanagements in Einrichtungen und Diensten und arbeitet an der Erstellung eines umfangreichen Papiers. Dieses wurde 2004 in den Gremien der IGfH abgestimmt und wurde 2005 veröffentlicht: im Berichtszeitraum die 24-seitige Broschüre und Positionspapier der IGfH zu „Kinderrechten in der Erziehungshilfen“, erstellt durch die AG Kinderrechte der IGfH. Mit über 4000 verschickten Exemplaren, einer englischen und einer russischen Fassung, ist die Broschüre breit beachtet und nachgefragt worden und musste nachgedruckt werden.
Der Arbeitskreis von FDR und IGfH hat sich im Berichtjahr noch einmal getroffen (2005). Problematisch für die Umsetzung der gesetzten Ziele war, dass seitens des FDR eine beinah vollständige personelle Neubesetzung erfolgen musste. Dennoch erfolgte eine Konkretisierung der geplanten Rechtsexpertise zum Thema „Drogen und Jugend“. Herausgegeben von der IGfH und EREV erschien aufgrund der Arbeiten der Ad-hoc-Arbeitsgruppe die Broschüre: Johannes Münder, Karl-Heinz Lehmann, Paul Erdelyi, Jürgen Friedrichs: Drogen in der Jugendhilfe – Rechtliche Aspekte und Fragen aus der Praxis, Hannover 2005.
Eine weitere Ad-hoc Arbeitsgruppe bestand zum Thema „Ausbildung“.
Der neu gegründete Sozialpolitische Arbeitskreis der IGfH, der sich am 09.08.2007 in Frankfurt/ Main einmal traf, soll ein Ideenpool sein und zugleich eine Kooperationstagung mit der Gilde Soziale Arbeit 2009 vorbereiten. Es wurden Vorschläge entwickelt, um Themen der Erziehungshilfen sozialpolitisch zu platzieren. Diese orientieren sich daran, deutlich zu machen, wie Struktur- und Ressourcenveränderungen auf die Familien und Jugendlichen wirken. Konkrete angedachte Themen sind: Kinderarmut und Hilfen zur Erziehung; Balance zw. Kontrolle und Unterstützung von Familien; Migration und Hilfen zur Erziehung; Ökonomisierung und Auswirkung auf Berufstätigkeit und Ausbildung,
Schließlich arbeitete eine Arbeitsgruppe von IGfH-Mitgliedern an einer so genannte „Frankfurter Erklärung“. Als ein Ergebnis des im Berichtszeitraum stattgefundenen ExpertInnengesprächs zu „Pädagogik und Zwang“ wurde in der Herbstsitzung der Delegierten diese Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer „Frankfurter Erklärung“ gegründet. Zentrales Thema der Arbeitsgruppe soll die Auseinandersetzung und Positionierung zum Thema Zwang sein: Welche pädagogischen Handlungsmöglichkeiten bestehen im Umgang mit schwierigen Situationen? Der Arbeitsgruppe gehören an: Willi Igel, Hannelore Häbel, Martin Stoppel, Xenia Spernau, Hans-Dieter Will.
5.4 Externe Vernetzung
Als großer Fachverband der Erziehungshilfen muss die IGfH an den „Blutkreislauf“ fachlicher und politischer Informationen angeschlossen sein sowie - umgekehrt - die im Verband gemachten Erfahrungen und Vorhaben in die Fachwelt tragen. Wir haben uns daher im Berichtszeitraum bemüht, uns weiter eng zu vernetzen. Im Folgenden seien einige dieser Vernetzungsaktivitäten aufgeführt:
(1) Hier ist natürlich an erster Stelle unser Dachverband, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband - Gesamtverband zu nennen. Mit den KollegInnen der Hauptgeschäftsstelle des PARITÄTISCHEN arbeiten wir in der IGfH-Geschäftsstelle sowohl in vielen alltäglichen Dingen als auch im Rahmen größerer Vorhaben freundschaftlich zusammen. Außerdem arbeitet der Vorsitzende, Dr. Hans-Ullrich Krause, als Vertreter der überregionalen Mitgliedsorganisationen in den Gremien des PARITÄTISCHEN mit.
(2) Auch im Berichtszeitraum fanden die Treffen der vier bundesweit tätigen Erziehungshilfe-Fachverbände, Bundesverband für Erziehungshilfen (AFET), Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (BVkE) und dem Evangelischen Erziehungsverband (EREV) und der IGfH statt. Die halbjährlichen Sitzungen dienten insbesondere dem Erfahrungs- und Informationsaustausch über die verbandsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte und der wechselseitigen Abstimmung der Verbandsaktivitäten, aber führten auch zu gemeinsamen Aktivitäten. Ergänzend hinzu kamen im Berichtsjahr Sitzungen, zu denen das Bundesjugendministerium eingeladen hatte, und an denen außer den o.g. Verbänden auch ein Vertreter der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung teilnahm. 2006 fand eine gemeinsame Sitzung mit der Bundesministerin Ursula von der Leyen statt. An den Sitzungen nahmen Dr. Hans-Ullrich Krause, Josef Koch und Nicole Knuth teil.
(3) Saied Farman, Delegierter der IGfH, ist für seine Einrichtung, die Gemeinnützige Schottener Reha, Mitglied im Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF) e.V. Er vertritt hier gleichzeitig die IGfH. Der Bundesfachverband tagt zweimal jährlich und beschäftigt sich mit rechtlichen und inhaltlich-fachlichen Aspekten der Arbeit mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen im Rahmen von Hilfen zur Erziehung und anderen Betreuungsformen.
(4) Der Geschäftsführer vertrat den Verband in folgenden dauerhaften Ausschüssen der Kinder- und Jugendhilfe:
(5) Der Sachverstand der IGfH und seiner Mitglieder war auch in diesem Berichtszeitraum gefragt in Form der Mitarbeit in externen Gremien. Über ihren Geschäftsführer, Josef Koch sowie über Prof. Dr. Friedhelm Peters (Wirkungsorientierung) und Xenia Spernau (Resilienz) war die IGfH im Weiteren in folgenden Projektbeiräten vertreten:
6. Öffentlichkeitsarbeit und Stellungnahmen
Mit der Publikation von Stellungnahmen, fachpolitischen Positionspapieren und Empfehlungen verbindet die IGfH und ihre Gremien das Ziel, auf Missstände aufmerksam zu machen, zu aktuellen Entwicklungen Stellung zu beziehen, auf die Fachöffentlichkeit und Politik Einfluss zu nehmen und die interne Vereinsdiskussion zu befördern.
Im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 veröffentlichte die IGfH gemeinsam mit anderen überregionalen Partnern mehrere überregionale Papiere und Stellungnahmen sowie Positionspapiere aus Gremien der IGfH:
Gemeinsame Erklärung zum Kinderschutz in Deutschland (2007)
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband
Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familierecht e. V.
Deutsches Jugendinstitut e.V.
Die Kinderschutz-Zentren e.V.
Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V.
Rechtssicherheit für die Kinder- und Jugendhilfe! (2007)
Gemeinsame Erklärung der Verbände für Erziehungshilfen anlässlich der Vorgänge in Halle und Berlin-Reinickendorf
AFET, BVkE, EREV, IGfH
Stellungnahme der IGfH zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege (Kinderförderungsgesetz-KiföG) (2007)
Stellungnahme der IGfH-Fachgruppe Erziehungsstellen zum Umgang mit Hilfen für junge Volljährige in den Erziehungsstellen (2007)
Stellungnahme der IGfH-Fachgruppe Heimerziehung und andere betreute Wohnformen zum Thema „Was tun mit schwierigen Kindern und Jugendlichen in schwierigen Zeiten?“ (2007) (erscheint in ForE 1 /2008)
Positionspapier der IGfH-Fachgruppe Integrierte Erziehungshilfen mit dem Titel „Integrierte Erziehungshilfen - Orientierung im Wandel der Zeit“ (2007) – wird 2008 veröffentlicht
Außerdem wurde ein kleines sozialpolitisches Forum mit dem Titel „Die solidarische Gesellschaft gestalten“ (23.11.2006 in Berlin) ausgerichtet.
Das sozialpolitische Forum hat sich in dieser Veranstaltung mit den Fragen auseinander gesetzt, wie die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland mit jenen jungen Menschen umzugehen gedenkt, die den Anschluss an Entwicklungen zu verlieren drohen und wie der solidarische Gedanke befördert werden kann, welchen Beitrag die Kinder- und Jugendhilfe dabei leistet. Insbesondere der aktuelle Stellenwert und die Reichweite von Hilfen zur Erziehung für Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die zeitweilig oder dauerhaft der Förderung und der öffentlichen Dienstleistungen bedürfen, sollten auf dem Forum zum Thema und gemeinsam mit VertreterInnen aus Politik und Wirtschaft diskutiert werden.
Leider stieß das inhaltlich durchaus interessante Programm mit Inputs z. B. von Prof. Dr. Frank Bettinger zum Thema Integration und Ausgrenzung oder von Prof. Dr. Peter Hansbauer zur Neuentdeckung der Familie und zur Rolle des sozialstaatlichen Handelns nicht auf das Interesse der angefragten PolitikerInnen, sodass ein Ziel des Forums - nämlich mit Politik ins Gespräch zu kommen - nicht erreicht wurde.
Die IGfH hat 2007 in der Nachfolge des Forums eine kleine Ad-hoc-Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit neuen angemessenen Aktionsformen im sozialpolitischen Bereich beschäftigen soll (siehe unter Gremien).
Bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit wurde neben der wachsenden Bedeutung des Internets (siehe ausführlicher unter Publikationen: Internetauftritt - www.igfh.de) auf folgende drei Strategien zurückgegriffen:
(1) Mit der regelmäßigen Herausgabe von Pressemitteilungen über ihre Aktivitäten (Tagungen, Studienreisen, Neuerscheinungen) war die IGfH auf dem Markt der Fachzeitschriften gut präsent.
(2) Weiterhin wurde im gesamten Berichtszeitraum intensiv Mitgliederwerbung betrieben. Dazu wurden sowohl die existierenden Werbeflyer und das IGfH-Werbeplakat breit gestreut, als auch auf größeren Kongressen Infomaterial zur Verfügung gestellt.
(3) Ab 2007 wurden Schnuppermitgliedschaften für junge Leute (Studierende) eingerichtet, d.h., für ein Jahr kann das Schnuppermitglied alle Leistungen der ordentlichen Mitgliedschaft wahrnehmen. Die Schnuppermitgliedschaft wird nach Ablauf des ersten Jahres automatisch verlängert, sofern nicht fristgemäß (drei Monate zum Jahresende) gekündigt wird.
7. Internationale Aktivitäten
Der europäische Integrationsprozess hat in vielfältiger Weise Entwicklungen in Gesellschaft, Politik und Arbeitswelt beeinflusst, die in nicht unerheblicher Weise die Soziale Arbeit tangieren. Flexibilität und Mobilität innerhalb der Arbeits- und Lebenswelt beschleunigen Prozesse des sozialen Wandels und werfen Problemlagen auf, die soziale Dienste und die Menschen in Europa vor neue Herausforderungen stellen. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, Ansätze aus dem europäischen Ausland kennen zu lernen, offen zu sein für neue Anregungen und eigene Lernprozesse zu gestalten. Die IGfH hat über ihre Arbeit in der FICE hinaus im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 im verstärkten Maße Foren und Tagungen initiiert, die einen internationalen Fachaustausch über Formen, Bedarfe und Intentionen der Erziehungshilfen anboten. Mit einem Lernen aus der Differenz ist dabei auch immer eine Annäherung gemeint, d.h., Praxis- und WissenschaftsvertreterInnen sollen sich treffen und sich über fachliche Konzepte und Modelle der Erziehungshilfen austauschen.
Auf der internationalen Ebene arbeitete die IGfH – als der deutsche Teil der Fédération Internationale des Communautés Educatives (FICE) e.V. – im Rahmen der FICE International Verbandsratssitzungen (CF) mit. Die Tagungen des Verbandsrates der FICE-International (entspricht der IGfH-Delegiertenversammlung) finden jeweils im Frühjahr und im Herbst statt. Im Berichtszeitraum fanden sechs Verbandsratstagungen von FICE-International und fünf Versammlungen bzw. Vorstandssitzungen von FICE-Europa statt. Traditionell tagen die Generalversammlungen der FICE-Gremien im Vorfeld der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Kongresse.
Die Hauptthemen der Beratungen waren neben kurzen Berichten das Kennenlernen von Modellen für Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die Angebote der Jugendhilfe mit Wohn- und Ausbildungsmöglichkeiten kombinieren, die Vorbereitung des FICE-Kongresses vom 06.-08. September 2006 in Sarajewo (“Auch mit belasteter Kindheit die Zukunft positiv gestalten!“), die Auseinandersetzung und Planung des europäischen Großprojektes der FICE-Inter, IFCO und SOS-Kinderdörfer International zu Qualitätsstandards in der außerfamiliären Unterbringung – Projekt „Quality4children“ –, die Konturierung der FICE Europa, die Überarbeitung der gemeinsamen Statuten, das internationale Austauschprogramm P.E.P. sowie die Vorbereitung der FICE Jubiläumstagung 2008 in Helsinki unter dem Motto „Better Future for Children Today“ (11.-13. Juni 2008). Außerdem wurden anlässlich der 60. Jahrestagung der Gründung der FICE-International an zwei internationalen Publikationen gearbeitet. Friedhelm Peters von der IGfH übernahm die Herausgeberrolle für den Band „Residential Care and its Alternatives – international perspectives“, der 2008 bei Trentham/ London erscheinen wird. Des Weiteren wurde an einem Geschichtsband unter dem Titel „Children, families and care - reflections on the first sixty years of FICE“ gearbeitet.
Darüber hinaus bestritten IGfHlerInnen vom 06. - 08. September 2006 auf dem Internationalen FICE-Kongress in Sarajewo (“Auch mit belasteter Kindheit die Zukunft positiv gestalten!“) insgesamt fünf Foren bzw. Präsentationen. Parallel zum Kongress fand ein Jugendkongress statt. Dort trafen Delegationen von Jugendlichen aus den verschiedenen FICE-Ländern zusammen und arbeiteten auch mit den Erwachsenen. Weitere und aktuelle Informationen zur Arbeit der FICE können auf der Homepage der FICE-International (www.fice-inter.org) abgerufen werden.
Im Rahmen der unterschiedlichen Gremiensitzungen und Jahrestagungen wurden die Vorstände neu gewählt. Auf der Generalversammlung vor dem FICE-Kongress am 06. - 08. September 2006 in Sarajewo wurde ein neuer Vorstand der FICE-International gewählt. Der bisherige Präsident, Theo Binnendijk, stand nicht mehr zur Verfügung. Der neue Vorstand der FICE-International setzt sich wie folgt zusammen: Monika Niederle (FICE Österreich) wurde als neue Präsidentin gewählt, als Schatzmeister wurde Rolf Widmer (FICE Schweiz) wiedergewählt. Neue Vizepräsidenten sind: David Lane (FICE England), Martti Kemppainen (FICE Finnland), Anton Tobé (FICE Niederlande). Generalsekretär ist nach einer Interimsrolle von Bettina Terp (FICE Österreich) nun Andrew Hosie (FICE Schottland).
Der Vorstand der FICE-Europa ist nach den Wahlen wie folgt besetzt: Präsident der FICE-Europa ist Soren Hegstrup (FICE Dänemark), außerdem sind im Vorstand der FICE Europa Gerd Schemenau (für die FICE Rumänien) sowie Roland Stübi (FICE Schweiz).
Die IGfH hat darüber hinaus im Berichtszeitraum 2005-2007 vertiefte Erfahrungen im internationalen Bereich – neben den FICE-Aktivitäten – mittels eigener Projekte, ExpertInnengespräche, Tagungen und Publikationen gewonnen.
Dies fand seinen Ausdruck durch Projekte zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (Internationaler Kinderschutz) mit dem ISM Mainz und das international vernetzte Projekt „Beteiligung in der Heimerziehung“, das mit der Initiative „Quality4children“ (IFCO, FICE, SOS International) arbeitete oder durch das internationale Netzwerk zu Family Group Conference Ansätzen (siehe Projektteil des Geschäftsberichtes). Auch länderübergreifende Publikationen z.B. „Wie wird ein Fall zum Fall im Ländervergleich“ oder zur Kinder- und Jugendhilfe in den neuen EU-Staaten trugen zur Konturierung in diesem Feld bei (vgl. Publikationen in diesem Bericht).
Außerdem richtete die IGfH Tagungen mit internationaler Perspektive aus. Dies waren im Berichtszeitraum zum Beispiel:
Darüber hinaus beteiligte sich die IGfH an internationalen ExpertInnengesprächen. Genannt seien an dieser Stelle:
Schließlich wurden auch diverse Anfragen aus dem Bundesministerium im internationalen Bereich (z.B. Baltic Sea Conference, zum Thema Partizipation etc.) bearbeitet.
8. Zur Finanzsituation der IGfH
Der Haushalt der IGfH wird vornehmlich aus Mitgliedsbeiträgen, dem Vertrieb von Publikationen, Tagungsbeiträgen, Erlösen der Lotterie „Glücksspirale“ sowie aus Mitteln des Kinder- und Jugendplanes des Bundes (KJP). An dieser Stelle sei vor allem dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Bundesverwaltungsamt, der Stiftung Jugendmarke und dem PARITÄTISCHEN für diese Unterstützung und die stets gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit gedankt! Auf der anderen Seite ist es nur durch die Mitgliederbeiträge möglich, die Vielzahl an Aktivitäten und Akzentsetzungen über Tagungen, Expertenrunden, Fort- und Weiterbildungen, Projekten und Publikationen sowie Stellungnahmen für Kinder und Jugendliche sowie MitarbeiterInnen in den Erziehungshilfen zu entfalten.
Die Einnahmen-/Ausgaben-Entwicklung der IGfH im Berichtszeitraum ist auf der folgenden Seite tabellarisch aufgezeigt, die über die längerfristige Entwicklung informiert. Detailliertere Erläuterungen hierzu werden auf der Mitgliederversammlung mündlich vorgetragen. Die Jahresabschlüsse 2005 bis 2007 wurden von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BVW Aschaffenburg erstellt und testiert. Eine materielle Prüfung der Geschäftsabläufe 2005 und 2006 erfolgte durch die Vereinsrevisoren Herrn Schemenau und Frau Oestreich und erbrachte keine wesentlichen Beanstandungen. Die Revision des Jahresabschlusses 2007 erfolgt voraussichtlich im Juli/August 2008. Für die zeitaufwändige und völlig ehrenamtlich erbrachte Arbeit sei beiden RevisorInnen herzlich gedankt!
Die Bilanz weist zum 31.12.2004 ein Eigenkapital der IGfH in Höhe von 235.232,17 Euro aus. Die finanzielle Basis der IGfH hat sich damit im Berichtszeitraum weiter stabilisiert (Summe Eigenkapital 31.12.2001: 107.583,23 Euro; 2004: 208.351,21 Euro). Die verstärkten Aktivitäten der IGfH in den letzten Jahren gingen einher mit einer wirtschaftlichen Konsolidierung. 2007 und 2008 erfolgen aus den Rücklagen Investitionen in ein neues Tagungs- und Mitgliederverwaltungsprogramm, dass dann die Bilanz belastet. Investitionen sind nicht nur sinnvoll, da das alte Tagungsverwaltungsprogramm dringend modernisiert werden muss, wenn es nicht plötzlich zu einem Datenverlust kommen soll, sie sind auch steuerrechtlich angezeigt
Allerdings muss zusätzlich für die kommenden Jahre – aus momentaner Sicht - davon ausgegangen werden, dass durch sinkende Personalkostenzuschüsse, sinkende Mitgliederbeiträge, dem deutlich sinkenden Zuschuss von der Glücksspirale sowie den Kosten über TVÖD-Anpassungen etc. die in den letzten Jahren ausgebaute Betriebsmittelrücklage (Steigerung seit 2003 um mehr als 42%) weiter angegriffen werden muss. Auch für 2008 muss (auch aufgrund der Investitionsphase II) mit einem negativen Haushaltsabschluss gerechnet werden. Wichtig ist es zu bedenken: Betriebsmittelrücklagen werden zum Anschub von Projekten, Publikationen und anderen Aktivitäten genutzt und sind wichtig für den Verein (IGfH e.V.), um zukünftige sozialpolitisch-fiskalische „Einbrüche“ kurzfristig zu überbrücken. Dies sichert unsere mittelfristige Handlungsfähigkeit. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein sehr hoher Anteil der IGfH-Leistungen in den Finanzberichten nicht enthalten ist, da diese auf dem großen ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder beruhen.
Einnahmen-/Ausgabenrechnung der IGfH 2005 bis 2007
9. Entwicklung der Mitgliederzahlen
In den Gremien der IGfH (ohne Regionalgruppen) sind derzeit ca. 180 Fachkräfte der erzieherischen Hilfen regelmäßig ehrenamtlich aktiv. Die überwiegende Mehrzahl der bislang berichteten Aktivitäten wird in den Gremien der IGfH nicht nur vorberaten und entschieden, sondern viele der dort ehrenamtlich aktiven Vereinsmitglieder sind auch an der praktischen Umsetzung beteiligt, führen Tagungen durch, engagieren sich in Projekten der IGfH oder beteiligen sich an Publikationsvorhaben.
Wie viele Vereine und ehrenamtliche Netzwerke ist aber auch die IGfH als immer noch mitgliederstärkster Fachverband für Erziehungshilfen in Deutschland, in dem auch Einzelmitglieder nicht nur zugelassen, sondern erwünscht sind, von einem Mitgliederschwund betroffen, der unterschiedliche Gründe hat (siehe auch unten). Die Entwicklung der Mitgliederzahlen im Berichtszeitraum zeigt die folgende Tabelle:
Der Mitgliederstand hat sich im Berichtszeitraum leider weiter verringert, wobei der höchste Rückgang - wie in den Jahren 2002 bis 2004 - bei den Einzelmitgliedern liegt. Die Zahlen der Mitgliedersäule „Einrichtungen, Dienste, Ausbildungsstätten“ zeigen weiter steigende Tendenz. Ende 2007 stammten von den 1.589 Mitgliedern 1.393 aus West- und 196 aus Ost-Deutschland (vgl. vorheriger Berichtszeitraum: 1.420 aus West- und 209 aus Ost-Deutschland).
Die Auswertung der Kündigungsgründe hat gezeigt, dass die häufigste Begründung für diesen Schritt im Wechsel des Arbeitsfeldes, gleich gefolgt vom Eintritt ins Rentenalter, finanzielle Gründe/Arbeitslosigkeit oder Auflösung der Einrichtung/Insolvenz lag. Eine Kündigung der Mitgliedschaft mit dem Verweis auf die Unzufriedenheit mit dem Verhältnis von Mitgliedsbeitrag und Serviceleistung wurde im gesamten Berichtszeitraum nur in zwei Fällen angegeben, Unzufriedenheit mit der fachpolitischen Orientierung der IGfH diente in drei Fällen als Grund. Obwohl nicht abgefragt, wurde zusätzlich in 8 Fällen ausdrücklich hohe Zufriedenheit mit den Leistungen und der Arbeit der IGfH bekundet.
Auch wenn in den ersten Monaten 2008 eine gewisse Trendwende zu erkennen ist, müssen die Bemühungen um Werbung insbesondere jüngerer Mitglieder verstärkt werden. Zu diesem Zweck wurden schon erste Maßnahmen eingeleitet. Die Durchführung expliziter studentischer Veranstaltungs- und Werbungsforen sowie die 2007 erstmals angebotene kostenfreie, maximal auf ein Kalenderjahr begrenzte Schnuppermitgliedschaft für Studenten hat zu einer Zunahme studentischer Mitgliedschaften, auch über das Schnupperjahr hinaus, geführt. Hier ist eine steigende Tendenz zu beobachten, die Auswertung wird aber erst im kommenden Berichtszeitraum Aussagekraft haben.
2007 wurde ein StudentInnenkolloquium angeboten und es kam zur Gründung des Forums Start für junge Mitglieder der IGfH. Es ist geplant, Studentenkolloquien zukünftig ca. einmal pro Jahr anzubieten. Darüber hinaus soll für die nächste Legislaturperiode eine Mitgliederkampagne gestartet werden. Diese Kampagne sollte schon 2008 erfolgen, was aber aufgrund von längeren Personalausfällen in der Geschäftsstelle in der geplanten Form nicht realisiert werden konnte. Zur Präzisierung der Ansprache von möglichen neuen Mitgliedern durch aktuelle Mitglieder der IGfH wird 2008 eine Mitgliederbefragung stattfinden.
Außerdem wurden die Tagungspräsenz sowie die schnellen Service- und Dokumentationsleistungen über das Internet verstärkt. Nicht zuletzt aufgrund neuer ergänzender Orientierung der Verbandsarbeit auf weitere Felder der Erziehungshilfen (z.B. verstärktes Engagement auch im Pflegekinderbereich während der Jahre 2005 bis 2007) könnten zukünftig auch neue Mitgliedergruppen erschlossen werden.
Dennoch gilt: Den Auswirkungen des wirtschaftlichen Kostendrucks, der auf den Einrichtungen und den Einzelpersonen lastet und zu Kündigungen führt, kann natürlich nicht allein durch gezielte Serviceleistungen und transparente Lobbyarbeit begegnet werden, sondern indirekt nur durch verstärktes sozialpolitisches Engagement in Kooperation mit anderen Akteuren innerhalb und außerhalb der Jugendhilfe.
10. Situation der Geschäftsstelle
10.1. Personalsituation, Räumlichkeiten
Im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 war die Personalsituation in der Geschäftsstelle – im Gegensatz zum letzten Berichtszeitraum (Wechsel des Geschäftsführers und der Fachreferentin) – von personeller Kontinuität und Stabilisierung sowie durch zeitweilige Verstärkungen durch Projektstellen gekennzeichnet. Dies ermöglichte auch eine breitere Unterstützung von ehrenamtlichen Aktivitäten im Verband, wie dieser Geschäftsbericht zeigt.
Die Geschäftsstelle weist somit im Berichtszeitraum vier volle Stellen und eine Teilzeitstelle im Kernteam auf, die gemeinsam mit den ehrenamtlichen Gremien zu einer weiteren Verbreitung und Akzentuierung des Programms und der Aktivitäten beigetragen haben. Den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle sei auch an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt für Ihr Engagement und Ihren Einsatz!
Im Berichtszeitraum konnte die Stelle von Gabi Wiebeck von 27 Stunden auf 30 Stunden angehoben werden, was angesichts des erweiterten Engagements auch im Tagungsbereich mehr als notwendig war.
Zudem startete die IGfH ein Praxisforschungsprojekt zur Grenzüberschreitenden Fallarbeit in der Jugendhilfe (Genauer Projekttitel: Internationaler Kinderschutz - Die Bedeutung der Verordnung Brüssel II a und des Haager Kinderschutzübereinkommens für die Jugendhilfe 15.02.2005 - 15.08.2006). Hier stärkten Britta Sievers und Heidemarie Bienentreu zeitweilig das Team. Bei weiteren initiierten Projekten mit PartnerInnen wurde davon abgesehen, weiteres Personal (zeitweilig) an die Geschäftsstelle zu binden, da die räumliche Situation dies nicht hergab.
Die personelle Situation im Berichtszeitraum 2005 bis 2007 stellte sich im Verlauf folgendermaßen dar:
Ständiges Kernteam
Geschäftsführer 100 % Josef Koch
Bildungsreferentin 100 % Katrin Schröter
Wiss. Fachreferentin 100 % Xenia Spernau
Sachbearbeiterin, Sekretariat 100 % Marina Groth
Verwaltungsangestellte 78 % Gabi Wiebeck
Befristetes Projekt (15.02.2005 - 15.08.2006)
Grenzüberschreitende Fallarbeit
Projektleitung 100% Britta Sievers
Mitarbeiterin 50% Heidemarie Bienentreu
Die Geschäftsstelle befindet sich in zentral (10 Fußminuten zum Hauptbahnhof) gelegenen Büros am Frankfurter Schaumainkai. Mit sechs hauptamtlichen MitarbeiterInnen (inklusive Projektmitarbeiterinnen) war die räumliche Kapazität der Büros allerdings erschöpft.
10.2. Beratungstätigkeit
Die Beratungstätigkeit der IGfH-Geschäftsstelle hat weiter zugenommen: Es wurden im Berichtszeitraum von Mitgliedern und Nichtmitgliedern jährlich ca. 1000 Anfragen nach Information und Beratung gerichtet. Diese Anfragen kommen von den unterschiedlichsten Personen und Einrichtungen, Verbänden, wissenschaftlichen Institutionen, Behörden, Studierenden sowie der Presse. Sie waren auch inhaltlich sehr unterschiedlich und reichten von einfachen Fragen zum Arbeitsfeld ("wie viele Kinder sind in Heimen?") bis zu sehr diffizilen organisatorischen bzw. pädagogisch-konzeptionellen Fragen im Zusammenhang mit der Veränderung von Einrichtungen und Diensten der erzieherischen Hilfen. Eine wichtige Hilfe für die Geschäftsstelle ist dabei, dass wir auf einen großen Pool kompetenter und engagierter ehrenamtlicher Mitglieder zurückgreifen können, an die Anfragen im Bedarfsfall weitergeleitet werden können.