Forum Erziehungshilfen

ForE 5/04 Zeitbalancen - Zeit in den Erziehungshilfen

Zum Beispiel mit folgenden Beiträgen zum Schwerpunktthema:
Zeit
(Eine Skizze)

Hans Thiersch

Alles hat seine Stunde
Und jedes Geschehen unter dem Himmel hat seine Zeit:
Eine Zeit zum Leben und eine Zeit zum Sterben,
eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen,
....
Eine Zeit zum Bauen und eine Zeit zum Niederreißen,
eine Zeit zum Lachen und eine Zeit zum Weinen,
eine Zeit zum Trauern und eine Zeit zum Tanzen,
....
Eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren,
eine Zeit zum Bewahren und eine Zeit zum Verwerfen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen,
eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen,
.....
(Prediger 3, 1-7)


In Zeiterfahrungen kreuzen sich anthropologische, existenzielle, zeithistorische und organisationelle Momente. Darüber Bemerkungen zu notieren – zumal kurze – ist eine Anmaßung. Ich hoffe, dass die folgenden Bemerkungen anregen zu Widerspruch, Kritik und – vor allem – detaillierteren, je aus eigenen Erfahrungen stammenden Überlegungen. [...]
„Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht“ Afrikanisches Sprichwort

Silke Kultscher

Die Problematik der festgelegten zeitlichen Befristung von Hilfen zur Erziehung und deren Einfluss auf den Hilfeprozess steht im Mittelpunkt des Beitrages. Diskutiert wird vor dem Hintergrund der Kosten- und Wirksamkeitsdebatte in den Kommunen der Spielraum, der für den entwicklungsfördernden Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe verbleibt. Einerseits plädiert die Autorin aus Sicht eines freien Träges dafür, Zeiten und damit zur Verfügung stehende ökonomische Ressourcen je im konkreten Einzelfall auszuhandeln. Andererseits stellt sie heraus, dass eine festgelegte Begrenzung der Zeit zur Unterstützung im Erziehungsprozess dann alle Beteiligten geradezu zwingt die Frage, was konkret in der zur Verfügung gestellten Zeit voraussichtlich zwischen Fachkraft und Hilfesuchenden geschehen kann, möglichst präzise im gemeinsamen Hilfeplanungsprozess zu beschreiben.
Keine Zeit für qualifizierte Hilfeplanung?

Cornelia Jager

Ausgehend von der Arbeit des ASD in Dresden wird das Verhältnis zwischen Zeit und Professionalität am Beispiel der Hilfeplanung analysiert. Die Autorin warnt vor einem Zeitdruck im sogenannten Falleingangsverfahren, durch den der erforderliche (Zeit-)Umfang für partizipative Verfahren häufig nicht zur Verfügung steht und das Risiko von Fehlentscheidungen erheblich wächst. Auf der Grundlage einer aushandlungsorientierten Haltung statt einer vorschreibenden Orientierung im Jugendamt, versucht der Beitrag stattdessen den Zeitbedarf für partizipative Hilfeplanung exemplarisch festzustellen. Die Autorin zeigt, dass gerade der am Anfang einer Hilfe eingesetzte Zeitaufwand helfen kann, Hilfen im Verlauf zu stabilisieren. Die fachlichen und auch ökonomischen Zusammenhänge zwischen qualifiziertem Zeiteinsatz und der Stabilität von Hilfen bzw. den Erfordernissen von Krisenintervention gelte es zukünftig stärker zu evaluieren.
Die Fachleistungsstunde als sinnvolle Maßeinheit in den Ambulanten Erziehungshilfen?

Wilfried Stein


Der Beitrag beschäftigt sich am Beispiel der Fachleistungsstunde mit zeitgezogenen Meßsystemen und Abrechnungsmodi für sozialpädagogische Hilfen und Leistungen. Die implizite genaue zeitliche Befristung und Begrenzung von Unterstützungsleistungen nimmt der Autor zum Ausgangspunkt, um den Begrenzungen und Vorteilen einer für ihn transparenten zeitlichen Befristung anhand der Abrechnung über die Fachleistungsstunde nachzugehen. Die exakt zeitbezogene Abrechnungsform der Fachleistungsstunde – kann so der Autor – in Form einer gesetzeswidrigen Verordnung des Umfanges und der Dauer von Hilfen durch den öffentlichen Träger die Qualität in den ambulanten Hilfen zur Erziehung erheblich gefährden, so dass es auf die Nutzung des Finanzierungsinstrumentes zur transparenten Zielgestaltung mit den Betroffenen und einen kooperativen Aushandlungsprozess zwischen Kommunen und freien Trägern ankomme.