ForE 5/02 Krisenintervention: Orte und Konzepte - Abstracts
Krisenintervention:Orte und Konzepte
Im Spannungsfeld von Jugendpsychiatrie und Jugendhilfe. Krisenintervention aus der Sicht einer Kinder- und Jugendpsychiaterin
von Lioba Baving
Lioba Baving setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Grenzbereich von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie im Falle von Kriseninterventionen bei Minderjährigen auseinander. Sie formuliert aus der Sicht der Kinder- und Jugendpsychiaterin Anforderungen an ein Kriseninterventionskonzept zwischen den Disziplinen. Dabei setzt sie sich auch intensiv mit der Frage der geschlossenen Unterbringung bei Gefahr für Leib und Leben des Minderjährigen oder Dritter auseinander und plädiert für eine faire Kooperation zwischen Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie auch in dieser Frage.
Erfahrungen und Probleme der professionellen familiären Bereitschaftsbetreuung
von Siegrid Lüning-Menge
Bereitschaftspflegestellen oder Bereitschaftsbetreuungsfamilien sind inzwischen ein unverzichtbarer Baustein im Aufgabenbereich der Inobhutnahme. Sie sollen in einer Verbindung von sozialpädagogischer Professionalität und familiärer Geborgenheit insbesondere jüngeren Kindern die notwendige Obhut und Hilfe in Not- und Krisensituationen gewährleisten. Siegrid Lüning-Menge beschreibt ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen als Bereitschaftsbetreuungsfachkraft in einem in Teilen sehr persönlichen Bericht die hohen fachlichen und emotionalen Anforderungen, die diese Arbeit an die Fachkräfte (und ihre Familienangehörigen) stellt.
Inobhutnahme als Ausfallbürge für Mängel im Hilfesystem?
von Karl Späth
Der Beitrag von Karl Späth beschäftigt sich mit dem Thema "Inobhutnahme" aus zwei verschiedenen Perspektiven. Zum einen leitet er aus der Analyse statistischer Daten zur Inobhutnahme eine Reihe von kritischen Fragen an das Jugendhilfesystem ab. Zum anderen setzt er an der Programmatik des § 42 SGB VIII an und thematisiert aus dieser Sicht die Frage von Anspruchsrechten Minderjähriger auf Jugendhilfeleistungen und von Schutzaufgaben der Jugendhilfe (incl. der Durchführung freiheitsentziehender Maßnahmen).
Mädchenhäuser: Geschlechterdifferenzierte Krisenintervention im Rahmen eines integrierten Hilfeangebots
von Monika Weber
Mädchenhäuser sind Schutzstellen für Mädchen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind. Auf diese Formel wird das Angebot der Mädchenhäuser häufig reduziert. Die Grundidee der Mädchenhäuser geht jedoch weit darüber hinaus. Auf welchen konzeptionellen Überlegungen beruhen die Mädchenhäuser? Welche pädagogischen Vorstellungen von Krisenintervention stecken dahinter, und woraus begründet sich, dass sich die Mädchenhäuser speziell und ausschließlich an Mädchen wenden? Welche Erfahrungen hat die Praxis bisher gebracht? Auf diese Fragen gibt der Beitrag von Monika Weber Antworten und liefert damit Anstöße, Krisenintervention und Inobhutnahme auch in anderen Einrichtungen mädchengerechter zu gestalten und weiter zu entwickeln.