Dokument vom 02/07/2003 |
Vier Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, der Deutsche Kinderschutzbund und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie mehr als 30 weitere Verbände aus der sozialen und kulturellen Arbeit haben in einem gemeinsamen Aufruf einen Neuanfang in der Bildungspolitik gefordert. Dringend notwendig sei eine Reform, die Chancengleichheit und individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen vor allem in der Institution Schule in den Mittelpunkt stelle, betonte Barbara Stolterfoht, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, bei der Vorstellung des Aufrufs. Längst überfällig sei in diesem Zusammenhang der bedarfsgerechte Ausbau von Ganztagsangeboten für Schulkinder.
An die Bundesregierung appellierte Stolterfoht, die Vergabe von Bundesmitteln für den Ausbau von Ganztagsschulen an die Voraussetzung zu knüpfen, dass qualitativ hochwertige pädagogische Konzepte vorgelegt würden. Billigbetreuungsangebote, die als Ganztagsschulen vermarktet werden, lehnen die Verbände ab.
Ihre Forderungen umfassen drei Kernpunkte:
1. Schule muss Lebensort für alle Kinder werden und - ausgehend von ihren unterschiedlichen Lebenslagen - Förderung und Entwicklungschancen bieten. Schule ist mehr als eine Teilzeit-Verwahranstalt mit Bildungsfunktion.
2. Die Kindertageseinrichtungen müssen als Orte der Bildung und Persönlichkeitsförderung anerkannt und ausgestaltet werden.
3. Die bisherige Trennung zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Schule muss durch eine verbindliche Kooperation und Verzahnung überwunden werden. Beide Systeme können und müssen einander ergänzen. Ganztagsangebote müssen auf der Basis eines pädagogischen Konzepts Lern-, Förder- und Freizeitangebote integrieren.
Dr. Manfred Ragati, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, betonte:
"Die bisherige Praxis an den Schulen ist orientiert an Angeboten, aber nicht an den Lebenslagen von Kindern." Jungen und Mädchen, die beispielsweise eine sozialpädagogische Förderung benötigten, würden zunehmend ausgegrenzt. Um bessere Angebote zu entwickeln, bedürfe es einer institutionalisierten Kooperation zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe. Im Mittelpunkt müsse dabei die "Persönlichkeitsförderung junger Menschen" stehen.
Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, sieht in der Ganztagsbetreuung "das beste Angebot, insbesondere Kinder in Armut zu unterstützen und zu fördern". Eltern, die sich auf eine gute Ganztagsbetreuung für ihre Kinder verlassen könnten, hätten zudem bessere Möglichkeiten, einer Berufstätigkeit nachzugehen. Hilgers betonte jedoch zugleich: "Nur ein Angebot mit hoher Qualität, einer Öffnung in den Stadtteil und Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe kann den in der Pisa-Studie nachgewiesenen Zusammenhang von sozialer Lage und Bildungsabschlüssen durchbrechen."
Frankfurt am Main, 7.2.2002
| Eingestellt von: | Martin Wisskirchen |
| Kategorie: | Pressemeldung |